A never ending story

Auf einmal stehst du da und denkst dir: “Geht’s noch?”

Ja, so stand ich da. Letzte Woche, als ich bei der Leiterin der bald Kindertagesstätte meines Sohnes nach dem neuesten Stand der Dinge fragte. Kurze vorab Info: Diese Kita hat bis dato nur einen Standort. Dieser befindet sich in meiner direkten Nachbarschaft. Der Zweite, neue Standort dieses Vereins ist noch in Sanierung. Und leider verschiebt sich der Eröffnungstermin bereits zum zweiten Mal. Ihr müsst wissen, dass es in Berlin ganz schön nervig ist, einen Kita Platz zu bekommen und selbst der Zustand, alleinerziehend zu sein, bringt mich da nicht weiter nach vorne auf den sogenannten Listen.

Kita oder so ähnlich

Am Telefon wird man sogar ausgelacht und mit folgenden Sätzen abserviert: “Sie sind lustig. (Hahahahaha) Es sind noch ganz viele vor Ihnen dran. Sogar welche, die sich schon im April 2015 angemeldet hatten, um 2017 einen Platz zu erhalten.” ‚Entschuldige, du blöde Bratze‘, war mein ordinärer Gedanke, als sie das zu mir am Telefon sagte. Ich habe in meiner Schwangerschaft keinen Gedanken daran verschwendet, mich um einen Platz zu kümmern, weil ich weitaus andere Sachen zu erledigen hatte. Und entschuldige bitte, dass ich erst drei Monate nach der Geburt meines Kindes angefangen habe, intensivst danach zu suchen und mich zu informieren. Es war vorher einfach nicht greifbar für mich. Ein Kind anmelden, obwohl es noch gar nicht am Start ist? Is so, oder?

Eigentlich hatte ich recht schnell etwas gefunden, das mir total zusagte. Es war eine Station von meiner Wohnung mit dem Bus entfernt. Eine deutsch-französische Kita. Super, da melde ich ihn an. Leider habe ich mich eine Woche zu spät dort gemeldet, denn der letzte Platz war gerade vergeben worden. Die Leiterin dieser Kita erzählte mir dann allerdings, dass ein zweiter Standort im nächsten Jahr eröffnet werden würde und sie mich da gerne vormerke. “In Dahlem wäre das dann”, sagte sie. Dahlem? “Puuuh”, äußerte ich mich dazu. Sie sagte: “Ach, mit dem Auto sind das nur 10-15 Minuten.” Ich habe gar kein Auto, Senioritta. “Ach so, da weiß ich leider auch nicht, wie die Verbindung mit den Öffentlichen ist von ihrem Standort aus.” Mit der Bahn oder dem Bus, inklusive umsteigen, wären das 28 Minuten Weg-Zeit.

Ich ließ mir eine Woche Zeit, darüber nachzudenken und schaute mich derweil weiter um. Im Umkreis von drei Kilometern gibt es viele Kitas. Nicht jede sprach mich an und auch nicht jede nahm Kinder ab einem Jahr auf. Wie dem auch sei, ich sagte den Platz in Dahlem einfach zu. Im August sollte es los gehen.

Toll, ging ja razzifazzi. Thema erledigt. Kita = Check. 

Doch dann verschob sich die Eröffnung von August auf September. Und das sagte mir die Leiterin der deutsch-französischen Kita Ende April. Ich hatte schlaflose Nächte. Wie soll das gehen? Ich muss wieder arbeiten, wohin mit dem Kind? Einen Monat lang jede Woche für ca. 33 Stunden eine Nanny engagieren? Ähm, wo genau finde ich den Goldesel? Ich hatte auf einmal gefühlt ein Riesen Problem vor mir. Meine Eltern waren so lieb und hatten sich angeboten, den Kleinen einfach bei sich in Lennep zu behalten. Okay?! Ich bekam ein komisches Gefühl, Gedanken, wie: Ich soll 30 Tage alleine in Berlin sein und ihr… Ne, geht nicht. Und eigentlich möchte ich auch nicht wieder dorthin zurück, wo ich vor meiner Schwangerschaft gearbeitet habe, weil ich mich dort einfach nicht mehr sah. So kam ich schlussendlich zu der erlösenden Lösung: “Ich kündige!”

In meinem Kopf hatte ich mich also nun auf September eingestellt. Super Sache, jetzt wo ich gekündigt habe, ist es mir auch Wumpe, wenn die Kita erst Anfang September die Pforten öffnet. Ich war mit der Leiterin so verblieben, dass sie mir Bescheid gibt, wenn es konkret wird, damit ich rechtzeitig den Kita Gutschein beantrage. Anfang August war mir dann danach, mich per Email bei ihr zu melden. Was denn der momentane Stand wäre, fragte ich. Frau von Wismar, schrieb sie, leider verschiebt sich die Eröffnung auf Oktober. Ich bin gerade im Urlaub und nächste Woche zurück. Bis heute habe ich auf diese Email nicht geantwortet. Ich wollte zum ersten schauen, ob sie sich vielleicht bei mir meldet, um mich zu informieren, was denn nun Sache ist. Und zum zweiten, wäre meine Antwort ziemlich böse an sie gerichtet gewesen, wenn ich direkt reagiert hätte.

Einige Stunden nach dieser Email wurde mir erst bewusst, was an dieser Antwort alles hing. Meine zurück gewonnene Freiheit, meine ganzen Pläne wieder um einen Monat nach hinten verschoben. No way. Das Kind braucht endlich einen Ort, um sich optimal entfalten zu können. Der steigt mir ja jetzt schon aufs Dach. Ich wollte doch im September endlich wieder… (Fortsetzung folgt)

Diese Nachricht ließ mich einfach nicht los und so googelte ich mich wieder durch das Kitanetz von Berlin. Ich las einen Artikel in “Der Welt” von 2015 und dort war ein Link zu einer Kita, die um die Ecke schien. Ja, Mann, ich wurde am nächsten Morgen eines besseren belehrt. Deswegen auch „schien“. Die Uhlandstraße scheint es zweimal in Berlin zu geben. Verdammt, dachte ich, war die Leiterin doch äußerst nett, als ich sie mit meiner heiseren Stimme am Tag zuvor anrief und ihr meinen Fall schilderte.

Jut, stehste halt im falschen Bezirk vor der falschen Haustüre. Typisch Mutti. Dann schauen wir doch mal spontan, was uns morgens um 9 Uhr um den Ku’damm an Kitas über den Weg läuft, gell Mucki? Irgendwie nichts, denn auch Google Maps scheint nicht immer auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein. Dadurch kam ich allerdings mit einer sehr netten Mutter von zwei Kindern ins Gespräch, die mir einige Tipps auf den Weg gab und ihr werdet es nicht glauben, meine Rettung war sie auch. Dazu gleich mehr. Sie gab mir die Telefonnummer einer Tagesmutter, die direkt bei mir um die Ecke ihren Standort hat. Sie hätte ihren Kurzen dorthin gegeben, aber sie hatte leider nur noch eine Halbtagsstelle anzubieten. Bei zwei Kindern sagte sie, es wäre ein wenig blöde, vor allem wolle sie im nächsten Jahr wieder Teilzeit arbeiten.

Als unsere Wege sich wieder trennten, rief ich sofort bei der Nummer an, die sie mir mitgab. Leider ging keiner dran. Es war bereits Mittag und der kleine Muck und ich waren schon einige Stunden unterwegs, also gingen wir Heim. Ich machte ihm etwas zu essen und dann ging es direkt für ihn in die Siesta. Zwei Stunden off time hat er mir gegönnt, der Kronensohn. In der Zeit konnte ich weiter das Internet erforschen. Ich landete wieder auf Seiten, die ich im letzten Jahr schon durchforstet hatte. Und auch auf der Homepage des Bezirksamtes von Charlottenburg-Wilmersdorf landete ich wieder, wo mir direkt der Kontakt einer Tagesmutter ins Auge fiel, den mir die Mutter heute Morgen noch mitgegeben hatte.

Dann erinnerte ich mich. Im letzten Jahr hatte ich bereits mit dieser Dame telefoniert, doch damals war sie schon komplett ausgelastet. Was schade war, denn ich fand sie äußerst sympathisch am Telefon. Ich hatte mich dann von der Idee, mein Kind bei einer Tagesmutter in Obhut zu geben, wieder abbringen lassen, als alle von mir angerufenen Damen in meinem Bezirk völlig ausgebucht waren. Gut, dachte ich, dann wieder zurück zur Ursprungsidee Kindertagesstätte und dann muss es aber eine deutsch-französische Kita sein, weil das ja klar ist.

Ich bekam, was ich wollte. Doch mittlerweile fühlt es sich, wie ich euch am Anfang bereits geschildert habe, nicht mehr richtig an. Das Vertrauen ist irgendwie nicht mehr da und das Wohlgefühl ist durch diese Nicht-Kommunikation verloren gegangen.

Hallo Tagesmutter. Hast du noch ‘nen Platz für uns?

Komm Männlein, wir gehen ne Runde spielen. Mei, war des toll. All diese kleinen Knirpse und die vielen Eltern, mit denen man ins Gespräch kommt, wenn man auf dem tollsten Spielplatz in der Nachbarschaft abhängt. Einfach cool. Sowas gibt es in meiner Heimatstadt nicht. Hatte euch ja bereits geschildert, was dort die Lage der Spielplätze betrifft. Gähnende Leere und sprich mich bloß nicht an, ist dort die Devise. Jut, icke bin ja in Berlin, da läuft dit Gott sei Dank ganz anders.

Auf jeden Fall kam ich mit einigen Müttern und Vätern ins Gespräch und während ich den Kurzen im Sand spielen ließ, fiel mir ein, dass ich mich doch noch bei dieser Tagesmutter melden wollte. Gedacht, getan. Sie ging dran und die Sympathie war sofort da. Sie sagte: “Ja, ich habe noch einen Platz, allerdings nur halbtags.” Ich fiel ihr ins Wort: “Super, genau was ich suche und brauche.” (Halbtags heißt von 8:00 bis 13:00 Uhr)

(Die Fortsetzung) Das heißt für mich, jeden Tag fünf Stunden, die ich mich neu finden und auf Castingeinladungen gechillt mit Zusage antworten kann. Neue Schauspielbilder machen. Einfach mal zum Friseur gehen, den Zahnarzt besuchen etc. ohne ständig eine Nanny dafür bezahlen zu müssen und das alles ab Anfang September.

Dieses Gespräch mit dieser Tagesmutter hat mich so beflügelt – und haltet euch fest, Fußweg von mir zu ihr: sieben Minuten. Unschlagbares erstes Argument, welches total für sie spricht. Dann ist sie zudem noch am Telefon sehr sympathisch gewesen und wir haben uns verabredet, für nächsten Mittwoch. Ich bin ganz aufgeregt und freue mich jetzt schon, euch nächste Woche darüber zu berichten, wie das Kennenlernen war und zu welchem Ergebnis es schlussendlich geführt hat. Also fingers crossed.

Am Ende des Tages…

… ist es wirklich verrückt. Ich habe mir so sehr einen Platz für meinen Sohn in fußläufiger Entfernung gewünscht. Und da ist er nun. Ich bin wirklich guter Dinge und freue mich jetzt schon auf meinen Anruf bei der Kita, die mich eigentlich ganz mies hat fallen lassen, ohne mich fallen lassen zu haben.  Wisst ihr, wie ich meine? Alles fügt sich immer wie es soll und darauf vertraue ich weiterhin. Es macht gerade so viel Spaß, mein Leben genauso zu leben, und daran sind mitunter zwei ganz besondere Menschen in meinem Leben beteiligt, die mir Mut machen, die meine Gedanken und Gefühle dahingehend immer bestätigen und bestärken.

geschrieben am 19. August 2016 für BadaBÄNG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.