Der richtige Weg

Was bedeutet eigentlich der richtige Weg?

Der richtige Weg ist doch der, den man einschlägt, weil man davon überzeugt ist, dass dies für einen persönlich der richtige ist, oder etwa nicht? Ja, ich spreche vom Lebensweg. Egal, ob beruflich oder privat, man muss immer eine Entscheidung treffen, ob bewusst oder unbewusst. Die unbewussten sind mir persönlich meistens lieber, denn mit den Jahren tue ich mich immer schwerer, die eine, die richtige Entscheidung zu treffen, zumal ich diese auch nicht mehr nur alleine für mich treffen muss, aber das ist eine andere Geschichte.

Wühlen wir doch ein wenig in der Vergangenheit herum 

In der 11. Klasse hatte ich von heute auf morgen den Drang, raus aus allem zu wollen. Raus aus dem, was mich einengt, keinen Spaß macht, nicht das fördert, wonach mir eigentlich ist. Kreativ wollte ich sein, auf der Bühne stehen und spielen, vor der Kamera stehen und spielen, malen, zeichnen, fotografieren, Musik machen. Frei sein. Kreativität leben.

Noch weiter in die Vergangenheit

Das ich Schauspielerin werde, war früh klar, also mir. Denn mein erstes Erlebnis, auf der Bühne zu stehen, hatte ich im Alter von sieben Jahren. Es war die Geschichte des Aschenputtels, in lustig. Das ist alles, woran ich mich noch erinnere und eben daran, wie ich mit stolz geschwellter Brust auf der Bühne stand und mich vor dem Publikum verneigte. Dieses Gefühl war so unbeschreiblich, dass ich es am liebsten in einer Dauerschleife bei mir führen wollte. Meine Cousins und Cousinen mussten immer mit mir irgendwelche Aufführungen inszenieren, ob sie wollten oder nicht, war mir egal, Hauptsache wir führten etwas vor und bekamen am Ende Applaus für meine Kreativität.

Zurück in die fortgeschrittene Vergangenheit 

Meine Noten in der Schule gingen ab der 11. Klasse rapide in den Keller. Ich wollte raus. Aber wie? Meine Großeltern schickten mir bereits in der 9. Klasse Anmeldeformulare der The Lee Strasberg Theatre and Film Institute, per Post. Nun gab es ja 1999 dieses Internet, auch bei mir zuhause, und so konnte ich mir dieses Institut auch mal online anschauen. Viel war auf den damaligen Pages nicht zu finden, doch schnell hatte ich die Unterlagen ausgefüllt, meinen Eltern kurz davon erzählt, was meine Pläne sind und schwups befand sich der Brief auch schon im Briefkasten Richtung New York. Ich war bestens vorbereitet.

Meine Eltern sicherlich schon in der Gestaltung eines Plans, wie sie das Kind am Besten von diesem Weg, dieser womöglichen Schnapsidee, wieder losbekommen. “Mach doch erst einmal dein Abitur und dann kannst du deinen Weg immer noch gehen, der läuft dir ja nicht weg”, so mein Vater. Ich glaube, meine Eltern machten Purzelbäume, als mir eine Sache, die ich nicht einkalkuliert hatte, passierte. Mir lief meine erste große Liebe über den Weg.

Jut, bleibe ich eben hier, mache die Schule zu Ende und gehe dann hier in Deutschland auf eine Schauspielschule. Ich quälte mich durch die Oberstufe, drehte sogar eine Ehrenrunde, bis ich wirklich alles dran gesetzt hatte, meine Zulassung zum Abitur nicht zu bekommen. Bereut habe ich es bis heute nicht, falls ihr euch das fragen solltet.

Fachabitur. Check. Was nun?

Zur Schule konnte ich nicht mehr gehen. So saß ich also wieder vor dem Computer und recherchierte Schauspielschulen in Deutschland, liebäugelte aber immer noch mit New York, die Option bestand nämlich. Doch die große Liebe war noch aktuell und ich konnte mich nicht von ihr lösen. Durch Zufall stieß ich bei meiner Recherche auf ein RTL Praktikum für eine Auftragsproduktion. Mein Vater befand sich zu dem Zeitpunkt auf Bali, als ich ihm davon erzählte und nach seiner Meinung fragte. Mein Gott, die Telefonverbindung war damals unendlich schlecht, aber er meinte so was wie “Alexia, krrrischkrrrischkrrrisch zu Hause abhängst krrrischkrrrischkrrisch nicht weißt krrischkrrisch tun sollst bewirb krrischkrrisch, bitte!” Gesagt, getan. Und zwei Wochen später saß ich also in Köln für ganze vier Monate bei meiner ersten Fernsehproduktion und fand es einfach nur stark. Viereinhalb Monate hieß es… und bitte! Ich konnte in jedes Gewerk rein schnuppern, hielt mich meist allerdings bei den Aufnahmeleitern auf. Dispo kopieren, zusammen legen, tackern, kurz vor Drehschluss verteilte ich diese am Set, wenn ich sie nicht irgendwohin faxen musste. Die Tage waren lang, die Wochenenden meist kurz. Das Geld als damalige Praktikantin ein Traum.

Och n-e-e, muss ich mich schon wieder entscheiden

Nach diesem Praktikum stand ich also wieder da und musste eine Entscheidung treffen. Hm, ich mach erstmal Urlaub. Dann jobbte ich hier und da, bis eines Tages der Produzent der damaligen Produktion anrief und fragte, was ich denn machen würde und wie meine Pläne für die Zukunft aussähen. Was auch immer ich ihm gesagt habe, er bot mir eine Lehrstelle an als Kauffrau für audio-visuelle Medien. Hm? Eigentlich wollte ich doch Schauspielerin werden. Hm? Aber ich kann ja auch erstmal die Ausbildung machen, Kontakte knüpfen und wer weiß, vielleicht brauche ich die Schauspielschule gar nicht erst zu besuchen, steige einfach quer ein. Los gehts.

In diesen drei Jahren, die keine Herrenjahre waren, wie man sprichwörtlich im Deutschen sagt, habe ich viel gelernt. Über die Menschen aus der Medienbranche, die Medienbranche an sich, den zwischenmenschlichen Umgang, den Neid, das nicht Gönnen, Freud und Leid.

Sagen wir so, ich bekam einen sehr guten Überblick über alle Bereiche, auch vom täglichen Kerngeschäft, dem Lizenzverkauf von Kinderprogramm weltweit, Produktionen für Film und Fernsehen und ich durfte eine Zeit lang das “Management” dreier Schauspieler übernehmen.

In den drei Jahren war einiges an Angebot enthalten. Das Schönste war aber, dass ich durch die Möglichkeit einen ganz tollen Menschen kennen lernen durfte, meine Ausbilderin. Für mich eine der erfolgreichsten Frauen in der Branche, wenn ihr mich fragt. Für mich eine Frau, zu der ich aufblicke, weil sie schön ist, sehr intelligent, humorvoll, sprachbegabt, Bücher ließt in einer Geschwindigkeit wie ich Pasta esse, sehr emphatisch, Business Woman durch und durch, sehr erfolgreich, denn die Zahlen stimmen bei ihr am Ende immer und trotzdem ist sie das Mädchen von nebenan geblieben, eine mit der man, beziehungsweise ich, gerne Pferde stehle.

Ihr Assistentin gewesen zu sein, war eine der schönsten Aufgaben während meiner Ausbildung zur audio-visuellen Medienkauffrau. Sie beherrschte das Chaos machen – und ich das Chaos, so waren wir eine unschlagbar effektive Kombination. Tägliches Pflichtprogramm, wenn sie ins Büro kam, erst ein Kaffee mit Milch ohne Zucker, eine Ultra Zigarette und auf dem Zweiten “Reich und Schön” anschauen.

Heute ist sie Senior Vice President von Sony Pictures Television in München. Prof. Dr. K. G. Ich danke dir für eine so tolle Zeit, für all das, was du mir beigebracht hast und dass wir nach all den Jahren immer noch den Kontakt pflegen.

Schauspielschule, ja ich will, immer noch

Ich hatte die Geschichte mit dem Schauspiel nicht aus den Augen verloren, nicht dass ihr das nach all dem Palaber hier glaubt. Ich liebe es, mich in Kleinigkeiten zu verlieren.

Wie ging es also weiter. Ach ja, die große Liebe ging vorbei, meine Ausbildung auch, hatte ich diese, man mag es kaum glauben, erfolgreich abgeschlossen und zwei Monate nachdem ich von der IHK mein Zeugnis ausgehändigt bekam, wurde ich auf der Film Acting School Cologne aufgenommen. Das ging wirklich ZackZack. Das Lustige war, ich bewarb mich an der Schule, ging zum Vorsprechen, wurde genommen. Fertig. Diese Schule war von, ich weiß nicht mehr wie vielen, die, die an erster Stelle unter Köln stand, warum sollte ich also noch woanders vorsprechen, wenn mich die erste sofort aufgenommen hatte zu der ich gerne wollte?

Aufgenommen. Check.

Es war das gleiche Gefühl, wie das, was ich als Siebenjährige damals auf meiner ersten Bühnenvorführung hatte. Es fühlte sich einfach richtig an, das ist und war einfach mein Weg und endlich habe ich es geschafft, auf ihm nach kleinen Umwegen zu gehen.

Meine Eltern standen in meinem Leben und bei meinen Entscheidung immer voll hinter mir, auch wenn sie manchmal anderer Meinung waren und ich sie dann doch vom Gegenteil überzeugen konnte, sie haben mich immer einfach machen lassen. Ich hatte ja die Schule mit immerhin Fachabitur beendet und hinterher noch eine fundierte Ausbildung gemacht, auf die ich ja immer wieder zurückgreifen könnte, wenn das mit der Kunst nicht klappt, so meine Argumentation meinem Vater gegenüber, der sich schon als mein lebenslanger Geldgeber sah, der arme. Gott sei Dank bin ich aber nie ein Mädchen dieser Sorte gewesen und wollte immer alles alleine machen und schaffen und auch selbst verdienen.

Am Ende Des Tages

Lass dich niemals von deinem Weg abbringen, denn nur du kannst für dich allein entscheiden, was dich erfüllt und glücklich macht. Du wirst nur so gut sein, wie die Leidenschaft zum deinem Beruf.

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