Erste Berlinale, beste Berlinale Teil 1

Der Erfolg dieser Berlinale zieht sich durch wie ein roter Teppich, auf dem ich, wegen Schneegestöbers in München, spontan landete. Wie es dazu kam? Die Begleitung, meiner nennen wir sie in dieser Kolumne Komplizin, schaffte es am Eröffnungsabend nicht mehr mit dem Flugzeug nach Berlin. So kam es das zwei Telefonate später, Herr Dieter Kosslick uns herzlich zur Eröffnung der 59. Berlinale Willkommen hieß.

*katsching*

So klingelt es noch heute in meinen Ohren, wie eine Las Vegas Slot Machine, wenn ich an meine erste Berlinale zurück denke. Das erste Mal Berlinale Film Festival und ich bin mittendrin statt nur dabei. Klingt nicht nur gut, war es sogar auch. Mein Gott, da habe ich wirklich alles mitgenommen, was mir über den Weg lief. Da wurde mir so richtig bewusst, wie viele Kontakte ich tatsächlich in den letzten (damals) 8 Jahren akquiriert hatte. Ganz verrückt wurde es, als mich Wildfremde ansprachen, weil sie mich von Facebook her kannten.

Warm up

Der Rhythmus für die nächsten Tage war klar vorgegeben. Der Eröffnungsabend für mich bereits ein voller Erfolg. Am zweiten Tag der Berlinale empfing ich am Nachmittag meine SchauspielFreundinnen, die sich gemeinsam mit der Komplizin in meiner Wohnung breit machten. Wir hübschten uns auf. Immer dabei, dass Gläschen Prosecco. Könnte ja sein, dass wir später auf dem Trockenen liegen. Ein paar Stündchen später ging es Richtung irgendeiner Nahrungsaufnahmestelle, um eine solide Grundlage zu schaffen für das, was vielleicht noch kommen mag, nämlich jede Menge guter Drinks, die es bei jedem Empfang, auf jeder Party umsonst und zuhauf gab, neben wirklich guten Amuse-gueule (Gaumenfreude; franz.), wie wir mit Begeisterung an unserm ersten gemeinsamen Abend feststellen durften. In den darauf folgenden Tagen strichen wir somit den Prosecco vom Späti und die Suche nach Nahrungsquellen von der to do Liste.

Einlassbändchen

Diese grünen, blauen, roten, bunten, wie auch immer Dinger hatten es in sich, in jeglicher Hinsicht.

Die Stimmung war oben auf, es war bitter kalt, wir waren gespannt, was sich ergeben würde. Da standen wir nun am Potsdamer Platz vor dem The Ritz Carlton. Movie Meets Media, let’s go. Kurzer check über das mobile Telefon und schon waren wir drin, in der Empfangshalle mit 100.000 anderen, aufgebrezelten, wildgewordenen Filmschaffenden und Skandalnudeln.

Der Abend war noch jung, die ein oder andere wildgewordene Ehefrau schon hinüber, armer Herr Prochnow. Wir ließen uns davon nicht beirren, checkten die Lage gründlich ab. Die Komplizin war bereits Stunden vor uns im The Ritz Carlton ihrem Promotionjob nachgegangen. Unsere Blicke trafen sich sofort als sie die mit rotem Teppich bestückte, Treppe hinunter gewedelt kam. Es war als würden wir schon Jahrelang solch präzise Coups durchführen. Sie gab ein unauffälliges Kopfverrenkungs- Kommando und in null Komma nix, fanden wir uns in der Gästetoilette der Lobby wieder. Vier Mädels, eine wirklich zu klein geratene Kabine, zwei grüne Bändchen für die All You Can Eat Abendveranstaltung, mit ein bisschen Musik und noch mehr Alkoholika.

Show time

20 Minuten und einige Schweißausbrüche und Magenschmerzen später waren die Bändchen vorsichtig, in mühevollster Kleinarbeit, akkurat von einem Arm zum nächsten gewandert. Das Adrenalin schoss durch Mark und Bein. Was, wenn jemand den Betrug bemerken würde? Mon dieu, welch Scham, all eyes on us, wenn die Sicherheitsmänner uns abführen würden.

Ach was, los gehts. 

Die Treppe nach oben schien ewig lang und ich hatte das Gefühl angestarrt zu werden, weil man mir genau ansah, was wir gerade dabei waren zu tun. Wir waren die Hochzeitscrasher an jenem und jeden weiteren Abend des Film Festivals, soviel stand fest.

Eine von uns mussten wir leider zurück lassen. Doch nur für eine klitzekleine Weile. Es waren aber sicherlich noch mal gute 20 lange Minuten die sie alleine auf der Damentoilette hockte, denn die gut klebenden Papierbändchen mussten sorgfältig und vor allem unauffällig wieder von den Handgelenken, es gab keinen besseren, unauffälligeren Ort als die Tanzfläche.  Plötzlich ging alles ratzi-fatzi und die Bauchtanztruppe war im OG wieder vereint, wo die Party statt fand. Glücklich über den reibungslosen Einlass gönnten wir uns den ersten Gin Tonic nach all der Aufregung.

Fazit

Einige Jahre später ist das schöne an diesen Veranstaltungen zur Berlinale, dass ich mittlerweile wirklich immer irgendwen kenne der mich einfach reinwinkt. Es haben sich Freundschaften und gute Bekanntschaften, bei meiner allerersten Berlinale entwickelt. Dafür meinen herzlichen Dank an all diejenigen die sich gerade angesprochen fühlen und erinnern.

You all made my very first Berlinale, in 2010

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