Verschwende Dich für die Liebe

Das Wetter draußen ist fies. Kalt und es fisselt vom Himmel herab auf meinen Schirm, also genau das richtige Wetter um im Café zu sitzen, morgens früh, alleine ohne Kind. Es ist 08:30 Uhr und zwei Jahre her, als ich diesen Luxus zum letzten Mal genießen konnte. Ich bin überglücklich, sitze an einem kleinen Tisch, in meinem Lieblings Café in meiner Hood, und trinke meinen ersten Kaffee des Tages. Soja Latte, ein Traum. Vor mir auf dem Tisch liegt die NEON.

Eine der Coverstories: “Gib alles für die Liebe! Frag nicht, ob es sich lohnt. Verschwende dich, für dieses Wahnsinnsgefühl.”

Weil ich nicht die Ruhe hatte, ihn mir Wort für Wort durchzulesen, habe ich den Artikel nur überflogen, denn meine Gedanken spielten bereits nach dem Lesen der Headline auf dem Cover der aktuellen NEON Ausgabe Pingpong. “Verschwende dich, für dieses Wahnsinnsgefühl”, ja geht es hier denn nur um dieses Wahnsinns Gefühl, das ja bekannterweise irgendwann nicht mehr Schmetterlinge im Bauch bedeutet, weil diese ja weiter zum nächsten oder zur nächsten flattern.

Und da kramte ich dann tief in meiner eigenen Gefühlswelt rum und siehe da, ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich wahnsinnig gerne verliebe, oder sagen wir mal verknalle. Verlieben hört sich allerdings um einiges romantischer an. Dieses Gefühl, was in dir entsteht, wenn er oder sie auf einmal um die Ecke kommt und eure Blicke sich treffen und ihr beide spürt, dass es wahnsinnig zwischen euch knistert und ihr dieses Spielchen eine ganze Weile miteinander spielt, weil ihr vielleicht beide, was das angeht, auf der selben Wellenlänge seid. Ihr verschwendet euch für dieses Wahnsinnsgefühl.

Mir ist genau das wirklich auch schon einmal vor einigen Jahren passiert und ich habe mich immer gefreut, wenn ich bereits seine Schritte von weitem hörte, denn dann begann es in mir zu vibrieren und wenn er dann in meinem Blickfeld war, mon dieu, dann spielten die Schmetterlinge in meinem Bauch verrückt. Die Knie wurden weich, um mein Herz herum wurde es warm. Es war, als würde er einen Magneten bei sich tragen, denn so sehr fühlte ich mich von ihm angezogen. Er war so unnahbar und das reizt mich leider immer sehr. So ging das viele Tage, Wochen und Monate, bis ich es irgendwann nicht mehr aushielt.

Auf einer get together Veranstaltung kamen wir uns einwenig näher, im Sinne von, wir standen nah beieinander und flüsterten uns Nettigkeiten ins Ohr. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, denn das war schon irgendwie sehr erotisch, im Nachhinein. Er sagte mir: “Du bist echt heiß. Aber es geht nicht.” Fand ich erstmal genug für diesen Abend. Super, er findet mich heiß. Dann können sich unsere Blicke gerne weiter Tag für Tag treffen, bis wir dann vielleicht eines Tages den nächsten Schritt einläuten. Ähm, warum geht was eigentlich nicht?

Irgendwann musste ich mir tatsächlich eingestehen, dass ich es schon wieder getan hatte. Alte Muster, in die ich wirklich immer wieder zu fallen scheine, weil sie mich anscheinend in Sicherheit wiegen. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch. Eine Frau, die sehr gut alleine zurecht kommt, die nur ab und an jemanden an ihrer Seite bräuchte und nicht 24/7. Aber vielleicht stimmt das auch gar nicht, vielleicht habe ich einfach nur Angst zu enttäuschen oder enttäuscht zu werden und deshalb fühle ich mich immer vom Unnahbaren angezogen. Komplizierte Angelegenheit, ich sollte das Ganze eventuell noch mal überdenken.

Eines Tages…

Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen, ich schwöre euch, mein Magen und alles andere in mir stand Kopf, als er so vor mir saß und wir uns eigentlich wegen etwas ganz anderem zusammengesetzt hatten. Beruflich natürlich. Und wieder natürlich kommt Alexia dann mit so ‘ner Sache wie “Ich glaube ich mag dich ganz schön gerne. Um ehrlich zu sein, mehr als nur gerne” um die Ecke. Meine Wangen verfärbten sich rot und ich hatte weiche Knie, gut dass wir saßen. Seine Reaktion darauf war wirklich süß, so erwachsen, so rational, so charmant, auch wenn ich danach erst einmal am Boden zerstört war, denn damit hatte ich auch unser Spielchen beendet. Er entfernte sich von mir, wahrscheinlich, um mir die Chance zu geben bzw. um es mir leichter zu machen, meine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen und zu merken, dass er gar nicht so toll ist, wie ich mir das vielleicht ausgemalt hatte.

Es wurde allerdings nicht besser und so versteckte ich all meine Gefühle zu ihm unter einer Riesen Decke, schirmte alles ab. Verhielt mich ihm gegenüber manchmal so idiotisch und aufmüpfig und ich weiß nicht wie noch, nur um zu zeigen, dass er mir nichts mehr bedeutet, zumindest nicht mehr auf der Wahnsinns Gefühlsebene. Ich glaube, er hat gecheckt, wie schlecht ich darin war. Er war so nah und doch so fern, er machte komplett zu. Fortan waren wir nur noch Kollegen in einem Team, vorher auch schon, aber mit der winzigen Besonderheit des Flirt-Faktors. Ich meine, wie blöd kann man auch sein, sich in seinen Chef zu verlieben? Das allein reicht doch schon für folgenden Status bei Facebook: “Es ist kompliziert”. Aber es war doch nur dieses Kribbeln, das ich nicht verlieren wollte. Wollte ich unterbewusst vielleicht doch alles für die Liebe geben oder wirklich nur an diesem Wahnsinns Gefühl festhalten?

Zeit bringt es mit sich

Es hat ein Jahr und zwei, drei Monate gebraucht, bis wir ein und dieselbe Ebene erreicht hatten. Und lasst euch sagen, bis dahin war es ‘ne ganz schöne Berg- und Talfahrt der Gefühle für mich. Ich musste mir irgendwann auch eingestehen, dass ich mehr als nur verknallt in ihn war und auch meine Gefühle nicht nur für mich behalten konnte, denn sonst wäre ich daran vielleicht sogar zerbrochen. Ich war fast schon wie eine Marionette. Er sprach, ich sprang. So ist es gerade in meiner Erinnerung und das ist doch eher unheimlich, zudem unendlich unsexy und stößt ein Gegenüber eher ab als an. Nicht wahr? Also, ich laufe immer davon, wenn man mir direkte Offerten macht und bin mega abgeturnt. Der Prinz auf dem Schimmel, darf erst vor meinem Fenster stehen, wenn ich ihn vorher schon abgecheckt habe oder ihm das richtige Signal geben konnte.

Dann war da dieser eine Abend. Diese eine Nacht. Mit ihm. Zwischen uns. Sie veränderte alles. Wenn ihr jetzt glaubt, juhu es gibt ein Happy End, eher nicht. Obwohl, lasst mich erstmal weiter erzählen, mal sehen in welche Richtung das nachher für euch klingt, vielleicht ja doch nach einem Happy End.

*Xberger Nächte sind lang

An diesem Abend war ich alleine in Berlin unterwegs. Es war Berlinale und ich hatte einige Veranstaltungen auf meiner Agenda. Ich fühlte mich an diesem Abend schön und sexy. Hat man als Frau einfach manchmal, is so, ne? Diese wenigen Tage, wo man sich selbst richtig gut findet und das merken auch die anderen Menschen, denen man an solchen Tagen begegnet, denn man hat eine Wahnsinns Anziehungskraft. Achtet mal drauf, an diesen Tagen seid ihr so stark, dass ihr alles erreichen könntet und zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich auch, dass ich so mein Leben jeden Tag leben möchte. Ich arbeite daran, da könnt ihr euch sicher sein.

Wo war ich eigentlich stehen geblieben? Ach ja, es war ein Abend, eine Nacht voller Partyhopping. Wir schrieben uns Whatsapp Nachrichten, Chefchen und ich. Er mir, ich ihm, er wieder mir und schlussendlich saß ich also im Taxi von Charlottenburg ins tiefste Xberg, um mich mit ihm und ein paar seiner Buddies im BI NUU zu treffen. Ich hatte schon ganz schön viel getrunken, aber in einem guten Maße, und irgendwer auf dieser Party, ein Mädel, das ich gar nicht kannte, drückte mir ‘nen Joint in die Hand, an dem ich zog und sie gab mir zu verstehen, dass ich ihn zu Ende rauchen dürfte. Jut, mach ich doch glatt, bin gerade in der richtigen Stimmung dafür. Kannte ich so auch nicht von mir, aber es war irgendwie eine dieser verrückten und für Berlin typischen Nächte.

Wir verließen gemeinsam den Club. Nein, nicht das Mädel und ich. Der Chef und ich natürlich. Ich war voll, voll von diesem Wahnsinns Gefühl, vielmehr Gefühlen die ich ihm dann auch alle auf einem Silbertablett vor der Türe des Clubs, auf ein Taxi wartend präsentierte. Mal wieder. Oh man, so wrong. Aber gut, ich hatte angefangen und dann musste ich das auch wieder durchziehen. Er fühlte sich dabei gar nicht wohl und wollte nur noch weg. Wir stiegen gemeinsam ins Taxi und was in diesem Taxi passierte, war auch wieder so ‘ne typische Aktion von mir. Ich erinnere euch an meine Ausstrahlungskraft und das sich-sexy-und-schön-Fühlen an diesem Abend. Ich ging also aufs Ganze.

So gerne ich auch ins Detail gehen würde, ich behalte es für mich. Die eine Sache kann ich euch aber verraten, da haben wir uns noch nicht geküsst. Wir stiegen gemeinsam aus und gingen Arm in Arm zu ihm. In seiner Wohnung angekommen, redete er noch so viel wirres Zeug. Ich glaube, das war der Zeitpunkt, als ich den Alkohol und vielleicht auch die drei Züge des Joints merkte. Er saß auf einem Barhocker in der Küche und ich stand vor ihm.

Ich ging einen Schritt auf ihn zu, nahm seinen Kopf zwischen meine Hände und küsste ihn auf den Mund. Ich konnte seinem Monolog einfach nicht mehr folgen und das war eben die für mich logischste Konsequenz. Seine Hände hielten mich an meiner Taille. Wie 1000 kleiner Gefühlsblitze ging es durch meinen Körper. Er drückte mich ganz fest an sich, streichelte über meinen Rücken und erwiderte meine Küsse NICHT. Ja man, du liest richtig. Das war irgendwie ne one Woman show. Hatte ich bis dato so auch noch nie vorher erlebt. Ich küsste ihn und da kam einfach keine Gegenreaktion. Krass, oder?

Ich machte weiter, weil ich es nicht glauben konnte, was mir da gerade widerfuhr. Ich nahm seine rechte Hand und zog ihn in sein Schlafzimmer. Ich spürte diesen inneren Kampf, den er mit sich ausführte. Egal Karl, vielleicht kriege ich ihn doch noch rum. Er wollte nicht, doch irgendwie wollte er es schon auch. Er sprach es nicht aus, aber seine Gesten zeigten deutlich, was bei ihm im Kopf abgehen musste. Ich zog mein Programm knallhart durch. Er zog mich fest an sich, streichelte mich und ließ wieder ab. So ging das eine ganze Weile, bis er plötzlich vor dem Bett stand, auf dem ich kniete.

Da nahm er meinen Kopf zwischen seine Hände. Küsste meine Stirn. Meine Nase. Meine Wangen. Küsste mich nah am Mund aber nicht auf den Mund. Wir sahen uns tief in die Augen und er sagte: “Du bist dir gar nicht bewusst, was für eine Ausstrahlung du hast. Du bist ein tolles Mädchen. Ich hab dich wahnsinnig gerne. Das hier ist falsch.” Ich schüttelte den Kopf und im gleich Augenblick meinte er: “Ich schlafe auf der Couch.” Ich zwang ihn, sich neben mich ins Bett zu legen und versprach ihm, ihn nicht mehr zu berühren.

Da lagen wir nun also nebeneinander im Bett, ohne das überhaupt etwas zwischen uns lief und ohne auch nur einen Kuss, der auf Gegenseitigkeit beruhte.

Ich kam mir so klein, so schäbig, so billig, so ich weiß nicht was vor. Ich bereute zutiefst, all das, was in den letzten Stunden zwischen uns passierte, oder auch nicht passierte. Ich stand auf. Zog mein Oberteil wieder an, schmiss meine Jacke drüber, griff nach meinen Schuhen, die ich noch im Hausflur anzog, und ging morgens früh nüchtern um fünf über den Ku’damm nach Hause.

Am Tag drauf verhielten wir uns sehr verhalten. Sprachen kein Wort miteinander. Waren dennoch professionell genug, um unseren Job gemeinsam zu machen. Er war auch nur noch einige Wochen vor Ort, bis ich das Projekt allein übernahm. Stellvertretend für ihn meinen Job vor Ort machte. Wie dem auch sei. Danach war alles kaputt. Ich hatte den Karren einfach mal an die Wand gefahren. Game Over.

“Frag nicht ob es sich lohnt.”

Ach nein, das soll ich nicht fragen, ob sich das alles gelohnt hat? Ich weiß gar nicht mehr, wann der turning Point kam, vielleicht als mir ein junger Mann über den Weg lief, der mich für einige Woche völlig aus der Gefühlsbahn geworfen hatte. Da war es wieder, dieses Wahnsinnsgefühl, dem ich mich einfach wieder hingab. Es riss mir wahrlich den Boden unter den Füßen weg. Er war das komplette Gegenteil und fünf Jahre jünger als ich. So etwas hatte ich ja noch nie an Land gezogen. So schnell wie Jonas auftauchte, tauchte er auch wieder ab. Kein Scherz. Von heute auf morgen kam einfach gar nichts mehr und das hat mich sehr verletzt. Ich verstand es nicht. Ich hätte es einfacher gefunden, wenn er wenigstens geschrieben hätte: “Du, war schön, aber mehr auch nicht. Sei mir nicht böse.” Oder? Anstelle von gar nichts und auch null Komma null Reaktion auf irgendeine meiner Handvoll verschickten Nachrichten an ihn. Mein Ego war ganz schön in Fetzen.

Dann hatte auch ich genug. Ich musste raus. Brauchte Urlaub. Der letzte lag gut acht Monate zurück. Ich verließ Berlin für einige Tage. Traf eine Freundin auf Mallorca und ließ die Seele und die letzten Monate dieses komischen Jahres an mir vorbeiziehen und kam zu dem Entschluss, dass ich etwas ändern musste. Ich brauchte wieder eine Veränderung, sonst wäre ich kaputt gegangen. Ich wollte wieder vor die Kamera. Ich wollte meine Achterbahnfahrt von Künstlerleben wieder zurück. Ich war und bin einfach kein 9to5 office Girl. Ich hatte es mir in den letzten Jahren bewiesen, nun wollte und musste ich wieder zurück zu meiner eigentlichen Passion. Die gewünschte Veränderung schlug ein, wie ne Bombe. Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Ich wollte doch kündigen. Tja, unverhofft kommt oft, wa?

Was ist denn nun aus dem Chef und Dir geworden?

Stimmt, habe ich gar nicht richtig zu Ende ausgeführt. Was daraus geworden ist? Wir sind heute sehr gute Freunde. Sehr eng miteinander verbunden. Als er das damals mit Jonas mitbekam, war er glaube ich schon ein wenig geknickt, dass ich nicht mehr nur noch Augen für ihn hatte. Er nicht mehr meine Nummer 1 war. Das war tatsächlich auch der turning point. Endlich hatten wir diese gleiche Ebene, von der ich vorher sprach, erreicht. Er ließ mich an seinem Leben teilhaben, endlich. Das, was ich mir Jahre vorher so sehr gewünscht hatte, erfüllte sich nun, aber auf der Freundesebene. Ich fühle mich noch immer sehr verbunden zu ihm und er wird immer ein ganz besonderer Mensch für mich sein.

Am Ende des Tages…

…stehe ich zu 100 Prozent hinter der Headline “Gib alles für die Liebe! Frag nicht, ob es sich lohnt. Verschwende dich, für dieses Wahnsinnsgefühl.” (Headline der NEON, Oktoberausgabe 2016)

Es gibt einfach nichts schöneres als Lieben und geliebt zu werden. Das ist doch das Elixier das uns am Leben hält uns Leichtigkeit gibt auch wenn es manchmal schmerzhaft ist, uns zu Boden wirft. Wir wachsen an jeder erlebten Geschichte, nennt man dann Lebenserfahrung. Liebe ist der Schlüssel zum Weltfrieden. Is’ klar ne? Von daher versprüht Liebe,

*Xberg – Kreuzberg

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