Childhood unplugged #2

Und plötzlich findest du dich in der Kinderambulanz wieder. Long Story short.

Morgens halb zehn in Deutschland,

wir frühstückten. Anschließend machten wir uns fertig, denn wir – meine Mutter, Mr. Sweetface und ich – wollten zu IKEA. Mr. Sweetface befindet sich gerade in einer ganz miesen Phase. Trotz hoch zehn. Wenn es nicht so läuft wie er möchte, dann ist das Geschrei groß und ich muss ausharren und aushalten. Krasse Nummer, sag ich euch. Terrible Twos, Teil 1 wahrscheinlich erst.

Wir sind startklar und warten auf Mamie. Hier war noch alles gut.

Bei IKEA angekommen, trug ich mein Kind vom Auto ins Geschäft und setzte ihn in unseren Einkaufswagen. Nach einer guten halben Stunde sagte er plötzlich „Aua“ und fasste sich an sein linkes Bein und ich dachte: „Oje, in Ruhe schauen ist beendet, jetzt will er wieder rum laufen. Na gut.“ Aus dem Wagen rausgeholt, stellte ich ihn auf den Boden. Doch er düste nicht sofort los, sondern humpelte wie ein angeschossenes Rehkids und ich dachte „Hmpf, ob sein Bein eingeschlafen ist?“ Er blieb stehen, hielt sich fest, sagte „Arm“, komisch. Ich trug ihn also eine Weile. Er machte auch überhaupt keine Anstalten wieder runter vom Arm zu wollen.

Ein paar Meter weiter versuchte ich es wieder. Ich stellte ihn auf die Füße und zeigte es Mamie, die es beim ersten Mal nicht so mitbekam, weil sie sich durch die Duftkerzen schnupperte. Mr. Sweetface humpelte wieder und sagte „Aua“. Plötzlich fing mein Kopf an mit ganz blöden Kopfgeburten, die ich natürlich weder meinem Sohn noch meiner Mutter kommunizierte. Warum auch, noch war ja alles gut und auf Panikmache steh‘ ich so gar nicht. Wir fuhren mit unserem kurzen, jedoch schneller gewordenen, Shoppingerlebnis fort und fuhren anschließend direkt wieder nach Hause.

Zwischenstopp

Kurz bevor wir bei uns zu Hause einbogen, hielten wir doch noch bei einer Kinderärztin. Hoch die Hände – Wochenende, genau, es war Freitag Mittag, als wir dort ankamen. Wir sollten um 14 Uhr wieder kommen, müssten uns aber auf lange Wartezeit einstellen. Ich schaute auf meine Uhr, puh, es war gerade mal halb zwölf. Wir fuhren nach Hause und bevor wir den Kofferraum ausräumten, schauten wir erst nochmal, wie akut es tatsächlich noch war.

Mr. Sweetface ging instinktiv wieder in die Krabbelposition, weil ihm das anscheinend keine Schmerzen bereitete. Er krabbelte schnurstracks auf sein Bobbycar, setzte sich drauf und fuhr schmerzfrei durch die Gegend. Immer mal wieder kam ein wimmerndes „Aua“ von ihm. Ich bereitet Mittagessen vor, Mamie räumte derweil den Kofferraum aus. Seinen Appetit hatte mein Kind nicht verloren. Gutes Zeichen.

Ich wurde innerlich dennoch nervöser, war ja auch Wochenende und eigentlich bin ich eher so, dass ich sage: „Komm, wir warten einfach noch ein wenig ab.“ Aber das mit diesem Mutterinstinkt scheint eine ganz großartige Angelegenheit von Mutter-Natur zu sein, dieser Instinkt meinte: „Ab ins Krankenhaus. Wochenende ist lang mit einem jammerndem Zwei-Käse-Hoch.“ Meine Mutter war der gleichen Meinung und schon saßen wir wieder im Auto, diesmal Richtung Krankenhaus.

… bis zum Ende

Im Krankenhaus angekommen, wurde uns erstmal mitgeteilt, dass wir uns auf Wartezeit einstellen sollen. Nichts anderes hatte ich erwartet. 15 Minuten später wurden wir bereits aufgerufen, juhu damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Mr. Sweetface war in der kurzen Zeit auf meinem Arm eingeschlafen und als wir in den Behandlungsraum gingen, schilderte ich der Kinderärztin den Fall. Sie nickte und wußte direkt eine Diagnose zu den Auffälligkeiten, ohne sich das Kind auch nur angeschaut zu haben. Coxitis fugax = Hüftschnupfen

Zum ersten mal im Wartebereich der Kinderambulanz.

„Hatte das Kind in den letzten Wochen einen Infekt?“, fragte sie mich. Ich war drauf und dran zu sagen: „Nee, nicht dass ich mich erinnern könnte“. Meine Mutter kam mir zuvor und erinnerte mich mit ihrer Aussage: „Ja, er war etwas fiebrig vor zwei Wochen, mehr aber nicht.“ Schau an, hatte ich komplett wieder aus meiner Erinnerung gelöscht. Frau Doktor nickte wieder und meinte daraufhin: „Auffälligstes Symptom für einen Hüftschnupfen sind Schmerzen in der Hüft- oder Leistengegend. Die Gelenkentzündung folgt in den meisten Fällen auf einen viralen Infekt.“

Was die eigentlichen Ursachen für einen Coxitis fugax sind, ist bis heute nicht bekannt. Gefährlich ist er auf jeden Fall nicht. Wenn das Gelenk geschont wird, dann verschwindet die Entzündung innerhalb von einigen Tagen bis zwei Wochen wieder. Aber erzähl mal einem Zweijährigen, dass er sich ausruhen soll und nicht durch die Gegend hüpfen. Übrigens bekommt man diesen Hüftschnupfen nur einmal in seinem Leben, es sei denn, man gehört zu den fünf bis zwanzig Prozent, die ihn mehrmals bekommen. Diese Gelenkerkrankung tritt eher bei Jungs auf.

Nachdem Frau Doktor sich die Hüfte richtig angesehen hatte, bekamen wir ein Rezept für Ibuprofen Zäpfchen mit. Drei mal täglich für die nächsten drei Tage. Am gleichen Tag noch habe ich ihm zwei verabreicht, weil ja auch vier bis sechs Stunden dazwischen liegen müssen. Am nächsten Tag waren es tatsächlich auch nur zwei, weil ich merkte, dass es ihm besser bis sehr viel besser ging.

Ich versuchte einfach, ihn nicht wild rumlaufen zu lassen. Am dritten Tag meinte meine Mutter, ich soll es ganz weg lassen, weil er nicht mehr humpelte und auch kein „Aua“ mehr aus seinem Mund kam.

Am Ende des Tages…

…war ich so unendlich froh, dass es nichts Schlimmeres war. Das sag ich euch!!! Und weil ich gemerkt habe, dass bei mir im Freundeskreis zwar die eine Hälfte davon wusste, die andere Hälfte aber – wie ich zunächst – gar nicht, habe ich mir gedacht darüber zu schreiben, damit Ihr keine Angst oder Panik bekommt, wenn euer Kind plötzlich humpelt und vor Schmerzen nicht mehr laufen kann.

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