13 short facts über mich als Schauspielerin

  • Ich habe ein gutes Gespür für Timing.
  • Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe.
  • Ich liebe Improvisation.
  • Ich muss nicht immer die Hauptrolle spielen. Gute Nebenrollen können genauso anspruchsvoll sein.
  • Mein Credo: Authentizität. Im Moment sein. Zuhören und reagieren. Weniger ist mehr.
  • Meine größte Angst am Set: „Text Blackout.“
  • Ich liebe es Anspielpartnerin bei einem Casting zu sein. Liebe Caster fragt mich gerne an.
  • Meine größte Niederlage war mein aller erster Job im Synchronstudio. Weibliche Hauptrolle einer Manga Serie. Toll dachte ich, was für eine Herausforderung. Dann stand ich wie der Ochse vorm Berg im Studio. Vier Stunden gab ich mein bestes. Meine Stimme war am nächsten Tag nicht mehr zu gebrauchen und ich fühlte mich wie die kleinste Mikrobe auf diesem Planeten.
  • Ich bin Pflegeleicht und lache liebend gerne.
  • Ich esse am Set nicht. Kaue in den Pausen lediglich Kaugummi, trinke viel Kaffee und noch mehr Wasser. Hier und da rauche ich mal eine geschnorte Zigarette. Über den Tag nasche ich allerdings gerne einige viele Kinderriegel. Abends im Hotel gibt es dann was gescheites, wie Suppe oder Salat.
  • Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt.
  • Ich verschlinge Bücher über Schauspieltechniken.
  • Ich liebe es Kurzfilme zu drehen.

Erste Berlinale, Beste Berlinale Teil 2

Tag fünf meiner, für mich sehr erfolgreichen ersten Berlinale. Ich frage mich noch heute, wo diese Energie herkam. Denn vom ersten Tag bis wirklich zum offiziellen Ende der Berlinale, war ich jeden Tag und jede Nacht unterwegs. Die Quittung kam natürlich, wie sollte es auch anders sein, nachträglich. Aber das war mir dann egal, Karl.

Wie bereits erwähnt, Tag fünf. Wir befinden uns im Berliner Westen nahe des KaDeWe’s am Kurfürstendamm im Hotel Ellington, wo das erste Agenturtreffen meines damaligen Agenten statt fand. Es war keine geschlossene Veranstaltung und so kam es auch das alle, okay gut bleiben wir auf dem Boden viele, also die, die davon wussten vorbei kamen. Buschfunk eben. Um so schöner für meinen Agenten, denn die Bude war voll. Ja, auch voll mit Menschen.

Die “Mensch, ick kenn dir doch, aus Facebook” Situation

Sorum

“Du bist doch Alexia von Wismar, richtig?” Äh, ja. Wer will das wissen? Ich war so perplex, dass ich der Person die mich ansprach gar nicht weiter zuhörte als sie anfing los zu plappern. Ich fühlte mich gestört, dachte so vor mich hin, wieso spricht sie mich an und erzählt mir das sie mich von zahlreichen Kommentaren kennt die ich hier und da auf Facebook hinterlassen hatte. Ich dachte “geh mir doch bitte aus der Sonne, oder lass mich mal bitte, oder lass mich kurz über das nachdenken was du in den letzten 30 Sekunden alles erzählt hast. Dann komm wieder, sicherlich bin ich später im Stande dir zu Antworten, oder vielleicht auch eine Konversation zu führen, vielleicht aber auch auf die Damentoilette verschwunden.”

Sie blieb. Meine Gedankenübertragung hatte nicht funktioniert und ich war der Situation maßlos ausgeliefert.  Dann der erlösende Satz “Ach Mensch, du war nett mit dir zu plaudern, ich muss da mal eben zu nem Bekannten rüber, der hat schon gewunken” welcher aus meinem Mund sprudelte. Zack und schnell auf die Damentoilette.

Am Morgen danach, ging es mir schlecht. Nein es war nicht der Kater. Ich bekam einfach diese Situation mit Astrid – so stellte sie sich mir vor – nicht aus dem Kopf. Mein schlechtes Gewissen plagte mich und ich stellte mir die Frage “Warum war ich bloß so ekelig zu ihr? Was war los mit mir?” Da saß in meiner Wohnung, morgens um dreizehn Uhr und schämte mich. Wie konnte ich das bloß wieder gut machen? Damn it.

Andersrum

Ich lebte in Kreuzberg61, dem Kiez, wo in der Zeit alle Künstler und die was von sich hielten flanierten. Von wegen mittendrin statt nur dabei, wa? Mittendrin in der Gentrifizierung. Wie dem auch sei, ich war mit einer Freundin unterwegs, die zu besuch in der Stadt war.

“Höä, Schnitte ich kenn die da vorne!”

“Welche?”

“Na die Dame, mit den Fuchsbraunen Haaren!”

“Nee, kenn ich nicht. “

“Aber ich!”

Was dann passierte, lest selbst:

“Berlin, U-Bahn Französische Straße / Südstern. Stehe zwischen 2 Terminen fröhlich rum. „Sie sind doch Frau Wedekind“, spricht mich eine sympathische Frau an. „Ja, bin ich.“ „Sage nur Facebook.“ Es ist die Schauspielerin Alexia von Wismar, mit der ich hier „befreundet“ bin, weil ich mich einfach zuundzugern mit begabten jungen Leute connecte. Ich liebe solche Begegnungen. Die erste dieser Art in der U-Bahn. Klasse.” (Quelle: Facebook Chronik von Beate Wedekind)

This Facebook made my day

Beate Wedekind gab mir einfach ein tolles Gefühl, weil Sie offen war, spontan auf mich einging. Nach all den Jahren noch mal Danke an Dich Beate, für dieses tolle, positive und kraftvolle Gefühl das du mir an diesem Tag mit auf den Weg gabst.

Man sagt mir nach, ich würde mit offenen Augen durch die Welt gehen, weil ich immer irgendwelche Leute sehe, Situationen erkenne und dann einfach beim Schopfe packe.

Am Tag darauf stand ich auf der Gästeliste zum “99 fire film award“, wo in dem Jahr, wie sollte es auch anders sein, Beate Wedekind eine der Jurorinnen war. Wir haben sehr gelacht, als wir uns dort schon wieder über den Weg liefen. Daraufhin lud Sie mich ein die Tage im Lux11 vorbei zu schauen.

Was ich zu Sorum noch ergänzen möchte

Im selben Jahr arbeiteten Astrid und ich zusammen in Hamburg und es entwickelte sich eine gute, schöne Bekanntschaft. Man sieht sich immer zweimal im Leben und ich konnte es wieder gut machen.

Astrid, ich mag dich, weil du straight bist, klug, schön, herzlich, immer einen guten Spruch auf der Zunge hast und einfach eine kreative, liebenswürdige Macherin bist. Ich entschuldige mich immer wieder, auch jetzt, wo ich hier an meinem Schreibtisch sitze und die Geschichte wieder Revue passieren lasse. Ich war damals einfach mit der Gesamtsituation überfordert, die vielen Leute, alles im Blick haben, keinen verpassen, den man noch sprechen wollte… Du hast mir immer beteuert, dass du das gar nicht so empfunden hast. Hoffentlich.

geschrieben am 14. Februar 2016 für BadaBÄNG

Erste Berlinale, beste Berlinale Teil 1

Der Erfolg dieser Berlinale zieht sich durch wie ein roter Teppich, auf dem ich, wegen Schneegestöbers in München, spontan landete. Wie es dazu kam? Die Begleitung, meiner nennen wir sie in dieser Kolumne Komplizin, schaffte es am Eröffnungsabend nicht mehr mit dem Flugzeug nach Berlin. So kam es das zwei Telefonate später, Herr Dieter Kosslick uns herzlich zur Eröffnung der 59. Berlinale Willkommen hieß.

*katsching*

So klingelt es noch heute in meinen Ohren, wie eine Las Vegas Slot Machine, wenn ich an meine erste Berlinale zurück denke. Das erste Mal Berlinale Film Festival und ich bin mittendrin statt nur dabei. Klingt nicht nur gut, war es sogar auch. Mein Gott, da habe ich wirklich alles mitgenommen, was mir über den Weg lief. Da wurde mir so richtig bewusst, wie viele Kontakte ich tatsächlich in den letzten (damals) 8 Jahren akquiriert hatte. Ganz verrückt wurde es, als mich Wildfremde ansprachen, weil sie mich von Facebook her kannten.

Warm up

Der Rhythmus für die nächsten Tage war klar vorgegeben. Der Eröffnungsabend für mich bereits ein voller Erfolg. Am zweiten Tag der Berlinale empfing ich am Nachmittag meine SchauspielFreundinnen, die sich gemeinsam mit der Komplizin in meiner Wohnung breit machten. Wir hübschten uns auf. Immer dabei, dass Gläschen Prosecco. Könnte ja sein, dass wir später auf dem Trockenen liegen. Ein paar Stündchen später ging es Richtung irgendeiner Nahrungsaufnahmestelle, um eine solide Grundlage zu schaffen für das, was vielleicht noch kommen mag, nämlich jede Menge guter Drinks, die es bei jedem Empfang, auf jeder Party umsonst und zuhauf gab, neben wirklich guten Amuse-gueule (Gaumenfreude; franz.), wie wir mit Begeisterung an unserm ersten gemeinsamen Abend feststellen durften. In den darauf folgenden Tagen strichen wir somit den Prosecco vom Späti und die Suche nach Nahrungsquellen von der to do Liste.

Einlassbändchen

Diese grünen, blauen, roten, bunten, wie auch immer Dinger hatten es in sich, in jeglicher Hinsicht.

Die Stimmung war oben auf, es war bitter kalt, wir waren gespannt, was sich ergeben würde. Da standen wir nun am Potsdamer Platz vor dem The Ritz Carlton. Movie Meets Media, let’s go. Kurzer check über das mobile Telefon und schon waren wir drin, in der Empfangshalle mit 100.000 anderen, aufgebrezelten, wildgewordenen Filmschaffenden und Skandalnudeln.

Der Abend war noch jung, die ein oder andere wildgewordene Ehefrau schon hinüber, armer Herr Prochnow. Wir ließen uns davon nicht beirren, checkten die Lage gründlich ab. Die Komplizin war bereits Stunden vor uns im The Ritz Carlton ihrem Promotionjob nachgegangen. Unsere Blicke trafen sich sofort als sie die mit rotem Teppich bestückte, Treppe hinunter gewedelt kam. Es war als würden wir schon Jahrelang solch präzise Coups durchführen. Sie gab ein unauffälliges Kopfverrenkungs- Kommando und in null Komma nix, fanden wir uns in der Gästetoilette der Lobby wieder. Vier Mädels, eine wirklich zu klein geratene Kabine, zwei grüne Bändchen für die All You Can Eat Abendveranstaltung, mit ein bisschen Musik und noch mehr Alkoholika.

Show time

20 Minuten und einige Schweißausbrüche und Magenschmerzen später waren die Bändchen vorsichtig, in mühevollster Kleinarbeit, akkurat von einem Arm zum nächsten gewandert. Das Adrenalin schoss durch Mark und Bein. Was, wenn jemand den Betrug bemerken würde? Mon dieu, welch Scham, all eyes on us, wenn die Sicherheitsmänner uns abführen würden.

Ach was, los gehts. 

Die Treppe nach oben schien ewig lang und ich hatte das Gefühl angestarrt zu werden, weil man mir genau ansah, was wir gerade dabei waren zu tun. Wir waren die Hochzeitscrasher an jenem und jeden weiteren Abend des Film Festivals, soviel stand fest.

Eine von uns mussten wir leider zurück lassen. Doch nur für eine klitzekleine Weile. Es waren aber sicherlich noch mal gute 20 lange Minuten die sie alleine auf der Damentoilette hockte, denn die gut klebenden Papierbändchen mussten sorgfältig und vor allem unauffällig wieder von den Handgelenken, es gab keinen besseren, unauffälligeren Ort als die Tanzfläche.  Plötzlich ging alles ratzi-fatzi und die Bauchtanztruppe war im OG wieder vereint, wo die Party statt fand. Glücklich über den reibungslosen Einlass gönnten wir uns den ersten Gin Tonic nach all der Aufregung.

Fazit

Einige Jahre später ist das schöne an diesen Veranstaltungen zur Berlinale, dass ich mittlerweile wirklich immer irgendwen kenne der mich einfach reinwinkt. Es haben sich Freundschaften und gute Bekanntschaften, bei meiner allerersten Berlinale entwickelt. Dafür meinen herzlichen Dank an all diejenigen die sich gerade angesprochen fühlen und erinnern.

You all made my very first Berlinale, in 2010

Diese eine, ganz besondere Schauspielschulwoche

Es war Montag und ich auf dem Weg zur Schule. War mir flau im Magen! Die Autobahn war frei und ich tuckerte mit angezogener Handbremse über den Standstreifen, obwohl ich sonst ein kleiner Schumi war. Der flaue Magen war Schuld an meinem merkwürdigen Fahrverhalten, ich sag es euch.

Hausaufgabe

Nun waren einige Wochen und Monate in der Schauspielschule vergangen und ich saugte jeden Unterrichtstag in mich auf. Ich war in der Nachmittagsklasse, was hieß, Montag bis Freitag von 14:30 bis 20:00 Uhr Unterricht. Hört sich erstmal nicht viel an, aber ihr könnt mir glauben, es gab Tage und Wochen, die einen richtig fertig gemacht haben. Vor allem, wenn wir Emotionsarbeit hatten.

Wie schon erwähnt, es waren einige Monate vergangen und wir bekamen immer zum Ende einer Woche Hausaufgaben auf. Für die nächste Emotionswoche im darauf folgenden Monat mussten wir uns auf den Tanz der Grenzen- Salome vorbereiten und ich kann euch sagen, jeden von uns jagte eine Kopfgeburt nach der anderen. Salome who? Wir fragten im Jahrgang über uns nach, was genau es mit dieser Aufgabe auf sich hatte. Ich dachte wirklich, ich werde in dieser Woche kläglich versagen. Doch eigentlich wollte ich das gar nicht, ging auch irgendwie schlecht. Gruppenzwang und so, versteht ihr?

Problem 1: Mein Körper und ich…

…waren noch nie beste Freunde. Und ich hatte eigentlich auch nur so wahnsinnige Paranoia vor dieser Aufgabe, weil ich einfach nicht mit mir und meinem Körper im Einklang war. Zu meiner Schauspielschulzeit hatte ich auch noch etwas Babyspeck hier und da und ich fand es ganz furchtbar, mich anderen zu zeigen, vor allem erotisch, vielleicht sogar nackt.

Mon dieu, wie soll ich das nur schaffen? Ich betrachtete mich im Spiegel, versuchte mich ein wenig eleganter, schwungvoller, erotischer zu bewegen. So geht das nicht mit all dem Schwabble und dann drehte ich mich mit dem Rücken zum Spiegel, drehte meinen Kopf und hätte am liebsten im Strahl gebrochen, bei diesem Anblick. Nein, man ich kann das nicht! Ich glaube, ich fing sogar an zu weinen. Dann hörte ich etwas Musik und mir kamen einige Gedanken. Wahrscheinlich ist es genau das, worum es Nick geht. Kopf abschalten. In der Rolle sein. Performanz zeigen. Ich bekam ’nen richtigen Schub an positiver Energie, mir war klar, ich muss meinen Körper trainieren, um mich besser zu fühlen. Ich stellte für die nächsten drei Wochen meine Ernährung um. Es gab Cola light, Äpfel und Müsli. Worst you can do! Schrieb ich was von Training?

Nick who?

Erwähnte ich eigentlich, dass der Asiate damals vom Tag der Aufnahmeprüfung einer meiner liebsten Dozenten in der Schauspielschulzeit wurde? Nein? Dann aber hier, schwarz auf weiß. Nick, auch wenn du von uns immer der Kleinste warst, du warst doch immer der Größte.

Nick Dong-Sik ist für mich ein Mensch mit einer ganz besonderen Gabe. Einer Gabe, anderen Menschen etwas ganz besonders mit auf den Weg zu geben, das kann nicht jeder. Er ist nicht einfach nur ein großartiger Schauspieler oder gar Dozent, nein, für mich ist Nick mein ganz persönlicher Mister Miyagi. Ich muss sechs gewesen sein, als ich das erste Mal Karate Kid bei meinen Großeltern in den USA gesehen habe. Ich wollte auch immer einem Mister Miyagi begegnen. Da war er also.

Nick hatte es einfach drauf, uns emotional zu knacken. Natürlich ging das nur, wenn du offen dafür warst, durchlässig. Ganz wichtig im Spiel einer Szene, vor allem wenn es darum geht, Emotionen zu zeigen, zuzuhören. Aktion und Reaktion sind ganz wichtige Bestandteile im Spiel. Hoch- und Tiefstatus waren auch Begrifflichkeiten, die immer wieder bei Nick im Unterricht fielen.

Mittlerweile – und da bin ich sehr glücklich drüber – hat Nick sein ganzes Wissen, seine eigene Technik, in einem Buch festgehalten, das ich jedem empfehlen kann und möchte, der auch nur ein bisschen Interesse am Schauspiel hat oder schon länger im Business ist.

“Camera Acting – Das Schauspiel-Training“ ist jeden Cent wert und in meinen Augen ein absoluter Mehrwert.

Problem 2: Welche Musik?

Ich hatte in den letzten drei Wochen an nichts anderes denken können, als an diese ganz besondere Woche. Ich machte mir eine Liste mit Dingen, die ich benötigte. Ganz oben stand, die richtige Musik finden. Ich verbrachte Stunden damit, etwas zu finden. Für unser erotisches Getanze vor der ganzen Klasse brauchten wir nämlich musikalische Begleitung. Das war vorgegeben. Oh Mann, find erstmal den richtigen Song, zu dem du abgehen kannst wie’n Zäpfchen, denn auf einmal fällt dir keiner mehr ein. BadaBÄNG Köpfchen leer, alles weg von der Festplatte. Die Tage vergingen und ich wurde immer nervöser. Mittlerweile hatte ich auch eine kleine Auswahl an Songs, doch welcher sollte es am Ende sein? Das nächste Problem stand an, und während wir in den Pausen von dieser ganz besonderen Woche sprachen, fragten wir uns auch gegenseitig aus. Was ziehst du an? Welchen Song hast du ausgesucht? Ich hatte mir natürlich einen rausgesucht, den bereits eine Mitschülerin von mir verwenden wollte. Ich bin ja flexibel, so ist nicht und da wählte ich kurz vor dem Wochenbeginn spontan einen neuen Song, von Michael Bublé.

Problem 3: Was zieh ich bloß an? 

Ich schaute in meinen Schrank, 30 Minuten vergingen. Dann schaute ich in meine Kommode rein. Nichts. Es war schlichtweg nichts zum Anziehen zu finden, was ich für den Salome Tanz hätte verwenden können. Was soll ich denn bloß anziehen, menno? Ich wühlte mich wirklich Stunden durch meine Garderobe. Half alles nichts, ich muss shoppen. Ehrenstraße rauf, Ehrenstraße wieder runter. Hmpf? Also, eins steht fest, schwarz ist die Farbe, die ich tragen werde. Halterlose Strümpfe von Falke. Check. Eine Korsage von Passionata mit passendem Tanga. Check. Pumps von Buffalo. Check. Ein Blazer von Benetton. Check. Ein Hut aus einem Secondhandladen. Check. Perfekt, dachte ich, mein Outfit steht. Endlich. Mon dieu, darf ich noch mal auf den Tanga hinweisen? Ja, ich weiß, aber damals haben wir die doch alle getragen, seien wir mal ehrlich. Ihr Jungs natürlich nicht alle.

Salome Tanz der Grenzen, jetzt aber

Auto geparkt, Tasche mit Kostüm und CD gegriffen und auf gehts zur Schule. Die Vormittagsklasse saß noch in der Teeküche, natürlich fragten wir sie aus. Und? Schlimm? Wie genau geht das ganze vonstatten? Erzählt!

Wir erfuhren, dass jeden Tag nur drei von zwölf dran sind. Oh mein Gott, vielleicht bin ich heute noch gar nicht dran? Super, ich kann noch einen Tag Null-Diät machen, hervorragend. Dann erzählten uns die drei, die am Montag aus der Vormittagsklasse bereits dran waren, dass es super geil war, dass sie froh sind, es hinter sich zu haben, aber Bock hätten, gleich noch mal ’ne Performance hinzulegen.

Ah, okay. Ich hörte gar nicht mehr richtig hin, denn ich war komplett in Gedanken, soll ich eine der Ersten sein oder nicht, schwirrte mir im Kopf herum? Eigentlich bin ich immer ein Freund von die Nummer Eins sein, es verleiht mir so ’nen besonderen Kick, kennt ihr das?

Es war 14:30 Uhr und Nick kam in die Klasse. Wir saßen alle total angespannt auf unseren Stühlen. Keiner sagte mehr einen Mucks vor Nervosität. „So, dann zählt mal die Reihenfolge, in der ihr performen wollt, ab“, sagte er. Eins, zwei, drei, VIER… Ich war also Nummer Vier. Mist. Immerhin bin ich morgen die Erste, die dran ist. Wenigstens bin ich nicht die Letzte in dieser Woche. Ich verließ die Schule um 20 Uhr und war wieder so nervös wie am Morgen zuvor. Mein Herz raste bis nach Meppen.

Nun war also Dienstag und auf meinem Weg zur Schule war mir wirklich flau im Magen. Die Autobahn war frei und ich tuckerte mit angezogener Handbremse über den Standstreifen, obwohl ich sonst ein kleiner Schumi war. Der flaue Magen war Schuld an meinem merkwürdigen Fahrverhalten, ich sag es euch. Moment mal, war das nicht gestern schon so?

Auto geparkt, Tasche mit Kostüm und CD gegriffen und auf gehts zur Schule. Die Vormittagsklasse saß noch in der Teeküche, wir fragten sie natürlich wieder aus. Ich bekam von all dem nicht viel mit, da ich an dem ganzen Gebrabbel im Flur vorbei ging, um mich fertig zu machen und meine CD zu checken. Ich hatte plötzlich so furchtbare Angst, dass meine Musik nicht abspielbar sein könnte oder der Track nicht richtig auf die CD gebrannt wurde. Ich checkte vorab noch alles aus und dann war es auch schon soweit. My fucking turn. Whoop Whoop. Den Raum hatte ich leicht abgedunkelt, die Stühle in einem Halbkreis aufgestellt. Ich stand im Nebenraum und wartete darauf, dass alles im Raum waren, die Tür ins Schloss fiel und Nick auf Play drückte. Und da ertönte auch schon der erste Ton von “Feeling Good”.

Ich legte meinen ersten und krassesten Stripp vor zwölf mir fast noch fremden Menschen hin. Und es fühlte sich so Mega gut an. Ich fühlte mich so wahnsinnig stark. Zog mich zum Takt der Musik aus, tanzte Mister Miyagi an, womit er nicht gerechnet hatte, ich im Übrigen auch nicht. Ich bewegte mich wie ich mich vor meinem Spiegel zu Hause nicht bewegt hatte. Was auch immer da mit mir passierte, es war wie ein Rausch. Ich verstand nun die Aussagen derer, die bereits dran waren. Die Musik näherte sich dem Ende und ich hatte fast alles an Kleidung abgelegt, außer dem Hut. Und der Rest bleibt mein Geheimnis. Meine Mitschüler applaudierten und ich war so stolz und aus der Puste. Ich musste aus tiefstem Herzen lachen. Ich denke, es war der Druck, der sich über die letzten Wochen aufgebaut hatte.

Der Salome Tanz ist die Verkörperung idealer Schönheit und purer Erotik. Und auch, wenn ich mit mir und meinem Körper nicht im Einklang war, auch nicht nach meiner krassen Diät, als ich anfing vor meiner Klasse und meinem Dozenten zu tanzen, fühlte ich mich wie die schönste Frau auf der ganzen Welt. All eyes on me. Nick sagte mir in meinem Feedbackgespräch, dass ich den Raum mit meiner Anwesenheit gefüllt hätte. Ich war präsent, man konnte nicht anders als mir zuschauen. Ich weiß nicht, wovor ich wirklich mehr aufgeregt war. Vor dem Tanz oder dem Feedbackgespräch, welches man immer vor versammelter Mannschaft bekommen hat? Und in diesem Fall hatten wir von jedem Mitschüler etwas gesagt bekommen.

Am Ende Des Tages…

… bin ich froh, diese Erfahrung machen zu dürfen. Wer hat das schon, oder?

Wachse über deine Ängste hinaus. Selbst, wenn du glaubst, es nicht zu schaffen, du weißt es doch nicht, wenn du es nicht wenigstens probiert hast. Aufgeben ist immer der einfachste Weg, den der Mensch sich aussuchen kann. Aber ist es nicht viel befriedigender, sagen zu können, ich habe es versucht und dabei herausgefunden, dass es mir nicht liegt, als von vornherein zu sagen, ich kann das nicht?

Stuhlentspannung

Morgens früh halb … Nachmittags halb drei in Köln

Boah, nä, schon wieder ’ne Woche bei Joachim. Was wird er sich wohl diesmal ausgedacht haben? Warum auch immer, Unterrichtstage bei Joachim waren Tage mit Ups and Downs. Ich kann gar nicht mehr wirklich definieren, warum das so war? Joachim war nicht sehr groß. Hager. Von seiner Körperlichkeit ein wenig wie ein Pingpong. Er trug Dreitagebart. Hatte einen bayrischen Dialekt. Eigentlich ein netter Kerl. Nur sein Unterricht war hin und wieder eigen.

Joachim hieß uns an einem Montag herzlich willkommen und gab folgende Arbeitsanweisung: “Verteilt euch bitte mit Stühlen großzügig im Raum, so dass ihr genug Platz habt, euch zu bewegen. Wir machen heute eine Stuhlentspannung.”

Eine was? Oh no, war es etwa…? Bitte nicht! Heute bin ich gar nicht in Stimmung für so eine Quälerei. Ich wusste von dem Jahrgang über uns, dass diese Aufgabe, vielmehr Übung, nicht ohne sei und sie mit Joachim damals zwei Stunden verbracht hatten, sich auf einem Stuhl zu entspannen. Z-w-e-i Stunden. Wisst ihr wie lange z-w-e-i Stunden sind, wenn man etwas machen soll, wo man sich von vornherein gegen sträubt?


Stuhl(ver)entspannung

Und während Joachim erklärte, was wir auf dem Stuhl so alles treiben dürfen und was nicht, bekam ich immer mehr Beklemmungen. Wieso eigentlich? Lass‘ ich mich doch eigentlich immer gerne auf Dinge ein, die ich nicht kenne. Hier machte ich allerdings alle Schotten von vornherein dicht.

Was beachtet werden sollte

Wichtig ist, dass ihr bei jedem Körperteil nach ein und dem selben Muster vorgeht. Erstens, spannt die jeweilige Muskulatur an! Zweitens, haltet die Spannung für circa fünf Sekunden und löst sie dann wieder! Drittens, bewegt das Körperteil mit all seinen einzelnen Fasern auf verschiedene Weise! Das Bewusstsein soll geweckt werden. Viertens, untersucht die Körperteile auf Verspannungen und stellt euch dabei Fragen, wie:

Wo genau kommt diese Anspannung her? Bis wohin strahlt diese Verspannung?

Wie warm ist es an dieser Stelle? Wie weit kann ich die Anspannung lösen?

Welche Bewegung hilft mir am besten? Merkst du, dass emotional etwas passiert, lass‘ es fließen und gib einen langen Ton ab! Nutzt den Ton beim Ausatmen um die Verspannung zu lösen!

Stuhlverspannung, weiter gehts

Ja gut, hört sich alles nicht wahnsinnig kompliziert an. Und ich meine, hey, wir können jetzt erstmal ’ne Runde auf unserm Stuhl mit geschlossen Augen abhängen und ab und an mal „A“ machen. So, dachte ich, könnte ich drumherum kommen.

Tja, aber da hatte ich die Rechnung ohne denWirt gemacht, denn Joachim sprach aus, was keiner im Entferntesten geahnt hätte. Warum habe ich eigentlich nachgefragt? Warum nur? Was ich gefragt habe? Na ja, was wohl jeder gefragt hätte, wenn ich nicht vorgeprescht wäre: “Du, Joachim, wie lange sollen wir diese Verspannung… äh… Entspannung denn machen?” Solange bis ich euch sage, dass ihr nun zum Ende kommen könnt. “Ah, okay. Danke fürs Gespräch.” Da wollte ich schon den ersten Ton ablassen. Tat ich ein paar Minuten später auch. ‚So ein blöder Fatzke‘, dachte ich. Fängt ja gut an.

Eineinhalb Stunden ab jetzt

Da saßen wir nun alle und blinzelten hin und wieder mit den Äuglein, um zu schauen, was die anderen so machten. Irgendwann ließ ich mich wirklich darauf ein, auf die Stuhlentspannung. Joachim gab hin und wieder Anmerkungen, wie: “Du bewegst dich zu schnell. Du musst dem Reflex nachgehen. Nein, nicht einfach dies und nicht einfach jenes…” Innerlich wurde ich immer wütender und gab wirklich in immer kürzer werdenden Abständen einen Ton ab. Was eigentlich nicht Teil der Übung ist, denn du sollst Verspannungen lösen, sie nicht erzeugen. Ich fand es unfair, wenn er mich ansprach, um mir zu sagen, dass ich nicht im Fluss bin. Dann massierte er mit einem sehr unangenehmen Druck, nämlich leicht schmerzhaft, obwohl ich nicht zimperlich bin, meine Schultern. Ich gab mir doch so viel Mühe, wirklich mitzumachen, vor allem ab dem Zeitpunkt, als ich entschied, mich auf diese Übung wirklich einzulassen.

Eine mittelgroße Katastrophe 

Plötzlich ein immer lauter werdendes… nein… Schnarchen. Knaller! Ich musste so lachen. Kennt ihr das? Bestimmt. Jeder war doch schonmal in der Situation, einen Lachanfall im unpassendsten Moment zu bekommen. Wie dem auch sei, ich sah es als Emotion, die über mich hereinkam, gab einen Ton ab, und als der Lachanfall überwunden war, die nächste Katastrophe. Ein dumpfer Knall. Der Boden neben mir bebte kurz. Es war tatsächlich jemand vom Stuhl gefallen. Vom Stuhl gefallen? Abgefahren, was wird noch passieren? Gehört das so? Die Stimmung kippte, Joachim unterbrach sofort die Übung und schickte uns in die Pause.

Ich war voller Wut und wusste nicht wohin mit der ganzen negativen Emotion. Ich kam einfach nicht wieder aus der Übung raus. Es stresste mich, denn nicht einmal die kalte frische Luft draußen half mir, wieder runter zu kommen. Mein inneres Gleichgewicht war komplett neben der Spur. Der Tag war somit gelaufen.

Nach der Pause, ist vor der Pause

“Es geht weiter”, rief jemand. Boah hoffentlich… Joachim unterbrach meinen Gedankengang. “So, was genau war hier los?” Keiner sagte etwas. Joachim war sauer. Übrigens war es meine Freundin Sandra, die vom Stuhl gefallen war, hatte ich das erwähnt? Joachim fragte sie, wieso, weshalb und warum? Ich glaube, Sandra war sich selber nicht ganz im klaren darüber, wie es dazu kommen konnte. Fakt war, sie war wirklich vom Stuhl gefallen. Kann doch mal passieren, Gleichgewicht verloren, BadaBÄNG, liegst du halt da unten. So what?

In meiner Erinnerung war der Tag wirklich für alle gelaufen und wir beendeten frühzeitig den Unterricht, glaube ich. Viel wahrscheinlicher ist wohl, dass wir trotzdem noch bis 20 Uhr in der Schule gesessen hatten.

Zu Hause angekommen, googelte ich erstmal diese Stuhlverspannung, und siehe da, es war keine von Joachim ausgedachte Entspannungsübung. Lee Strasberg war der Übeltäter. Umso mehr ich mich in die Thematik einlas, umso mehr verstand ich, was Sinn und Zweck dieser Übung war und ist.

Am Ende des Tages…

…wusste ich letzte Woche bereits, dass ich über dieses Thema schreiben werde und habe doch glatt diese Übung noch mal angewendet. Ich habe mir einen Timer auf 30 Minuten gestellt. Die Zeit ging schneller rum als ich geglaubt hätte. Ich musste mich am Anfang wieder dazu durchringen, denn manchmal fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren, wenn ich nicht unbedingt muss. Ich habe einfach die Zähne zusammengebissen und mich dieser Aufgabe noch mal gestellt. Und siehe da, ich war danach sehr entspannt und durchlässig, zumindest fühlte es sich so an.

Du musst dafür geboren sein.

“Du kannst diesen Beruf nur lernen, wenn du als Schauspieler geboren bist.” – Film Acting School Cologne

Dann bin ich hier ja goldrichtig. Ich wurde geboren, um Schauspielerin zu sein, da haben wir es doch.

Sesam öffne Dich

Zwei Monate bevor ich von der IHK mein Zeugnis zur erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur Medienkauffrau in den Händen halten durfte, stand ich nun zum Aufnahmecasting am ersten Samstag im April 2005 in der Werderstraße vor dem Haus der White House Studios, wo auch die Film Acting School Cologne ihren Sitz hatte. Ob ich nervös war? Nee das war ich nicht, denn ich wusste nicht mal, was an diesem Tag auf mich zukommen würde. Wenn ich allerdings gewusst hätte, was passiert oder passieren könnte, ich etwas vorbereiten hätte müssen, die Nervosität wäre die erste gewesen, die sich an diesem Tag gemeldet hätte.

Ich betrat also total gechillt die heiligen Hallen der FAS. So kürzt sich die Film Acting School Cologne ab und wurde herzlichst von der Schulleiterin in Empfang genommen. Sie war, groß, sehr schlank, blondes Haar und ist sicherlich noch, ein ganz liebevoller, offener, ehrlicher, sehr zerbrechlich wirkender Mensch und auf ihre ganz eigene Art und Weise ein liebenswertes Unikat. Toll, dachte ich, hier gehöre ich die nächsten Jahre hin. Hier möchte ich bleiben und sein.

Interessant war auch, ich erinnerte  mich plötzlich, bereits in diesem Gebäude gewesen zu sein. Habe ich von diesem Haus schonmal geträumt? Wie spooky wäre das denn? Aber woher… N-a-türlich, die White House Studios, mit denen kam ich während meiner Praktikumszeit für die RTL Produktion in Berührung, nur war die Schule damals noch nicht in den Räumlichkeiten. Sollte das also ein erstes Zeichen sein? Ich empfand es als solches und wünschte mir, diesen Tag mit einer positiven Nachricht, nämlich der Aufnahme in die FAS, beenden zu können.

Embryo, kleinGROß, Tier, Emotionen, die Feedback-Methode

Ich muss mich wirklich sehr anstrengen, um mich an den Tag der Aufnahmeprüfung zu erinnern. Hm, ich glaube, hierzu muss ich meine liebe Freundin Sandra anrufen. Wenn nicht sie, dann erinnert sich keiner mehr wirklich an diesen Tag. Die Aufnahmeprüfung, da waren Sandra und ich uns sicher, dauerte  vier bis sechs Stunden. Wir waren an meinem Tag der Aufnahmeprüfung circa acht SchauspielanwärterInnen, die in einem großen Raum saßen und warteten, bis es endlich los ging. Unser Telefonat läuft nebenbei, während ich noch eine…

… kleine Randnotiz tippe

Ich habe diesen Spleen, Taschenkalender aufzuheben, weil ich dort immer mal wieder reinschaue, um mich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Siehe da, heute, elf Jahre und sechs Tage später, ist es sogar eine große Erinnerungstütze.

Am 02. April 2005 hatte ich notiert:

“Film Acting School Cologne!!! 14h00 – 18h00! YES!!! Papa zurück nach Bali!”

Kurz zum Raum

Stellt euch vor, Ihr betretet einen Raum, circa 30 Quadratmeter groß. Der Boden ist mit Stäbchenparkett bedeckt. Weiße Wände. Links an der Wand, von der Eingangstüre in der ihr nun gedanklich steht, ein kleines Fenster. Am einen Ende dieses großen Raums wieder ein Fenster, welches von einer von der Decke hängenden Leinwand für den Beamer leicht verdeckt war. An der rechten Seitenwand führt eine Wendeltreppe ins Dunkel. Diese Fenster sahen im übrigen eher wie Durchreichen aus, obwohl sie keine waren. Von der anderen Seite waren die Scheiben abgeklebt. Stellt euch diesen Raum einfach, wie ein großes Tonstudio, mit zwei Sichtfenstern zu jeweils dahinter liegenden Räumen vor.

Embryo, kleinGROß, Tier, Emotionen, die Feedback-Methode

Es standen blau-schwarze Seminarstühle vor mir, als ich den Raum betrat. Ich schnappte mir einen. Neben mich setzte sich Curly-Sue. Ich nenne sie so, weil sie so Löckchen hatte, wie eben einst Curly-Sue aus dem gleichnamigen Film. Es wurde gewartet, bis wir vollzählig waren. Ein Ehepaar und ein Asiate bildeten die Schulleitung. Die Schulleiterin hatte ich ja bereits beschrieben. Ihr Mann, war das komplette Gegenteil von ihr, eher finster von seinem Ausdruck, weißes Haar, groß, schlanke Statur, ganz in schwarz gekleidet, mit einem Sakko bis zu den Knien, das im Wind flatterte, wenn er einem auf dem Gang entgegen kam. Er verzog wirklich keine Miene. Mir fiel sofort sein Sprachfehler auf, er stotterte. Was ich persönlich nicht schlimm finde. Er war, genau wie sie, ein ganz besonderer Mensch, auf eben seine ganz eigene Art und Weise.

Verdammt, und den Asiaten kenne ich doch? Hat der mir nicht mal gebratenen Reis mit extra Erdnusssauce nach Hause gebracht?

Egal Karl, erst zuhören und mitmachen. Später habe ich sicherlich Zeit das Rätsel zu lösen. Sie begrüßten uns, stellten sich kurz vor bis dieser besagte Asiate erläuterte, was heute so abgehen würden.

Zappzarapp standen wir im Kreis und wärmten uns auf. Wir starteten mit ganz gewöhnlichen Aufwärmübungen. Dann wurde die Stimme aufgewärmt. Da lässt man dann lustige Laute von sich. Einer, in diesem Fall der asiatische Schulleiter, machte es vor und die SchauspielschüleranwärterInnen machten es brav nach. Nahtlos ging es auf den Boden, auf den wir uns legten, uns so klein wie nur möglich machten, dass Stadium des Embryos einnahmen. Mit dieser Übung schauten sie auf unsere Beweglichkeit und unser Vorstellungsvermögen, etwas zu sein, das wir mal waren und gar nie mehr sein können. Die Aufgabe war, vom Emryo bis hin zu dem was wir heute sind zu wachsen. Das musste jeder von uns darstellen. Dann sollten wir ein Tier sein. Ich meine mich zu erinnern, eine Katze dargestellt zu haben. Wenn ihr jetzt denkt, pillepalle. Probiert das zu Hause aus. Hier geht es wirklich um Details.

Ob man sich dabei blöd vor kommt? Vielleicht die ersten Sekunden, aber eigentlich nicht. Wirklich, denn du tust das ja, weil du es willst. Es sind Skills, die dir eine Schule – beziehungsweise der jeweilige Coach – mit auf den Weg gibt. Wo wir wieder bei Entscheidungen treffen sind, denn auch hier musst du entscheiden, was du glaubst, was für dich am wichtigsten ist, oder vielleicht noch in deiner Truhe gefehlt hat, um dich vollendet zu fühlen.

Dann kam es zu dieser FAS Feedback-Methode. Wir sollten uns zu zweit zusammen tun. Curly-Sue und ich bildeten ein Team, von vier. Jedes Team bekam eine Videokassette in die Hand gedrückt und dann wurden wir nacheinander in einen kleinen Raum gebeten. Wir waren die ersten und sollten uns auf die beiden Stühle setzen die dort schräg hintereinander auf einer kleinen Bühne standen. Ich saß vorne, Curly-Sue hinten. Was wir uns vorstellen sollten: Wir saßen in einem Taxi, ich war die Fahrerin und sie mein Fahrgast. Leider erinnere ich mich nicht mehr, was noch vorgegeben war. Wir hatten genau eine oder eineinhalb Minuten Zeit, etwas von uns und unserem Talent zu zeigen.

Hier hatte ich Curly-Sue sprichwörtlich an die Wand gespielt. Ich spürte es in den ersten Sekunden und freute mich innerlich richtig, der Punkt ging auf jeden Fall an mich. Sie wusste auch, dass sie hier eher versagt hatte. Lag sie mir damit nämlich fortan an diesem Tag in den Ohren. Ziemlich anstrengend, ich konnte ihr ja nicht sagen, stimmt genau, das finde ich auch.

Nachdem wir  aus dem winzig kleinen Raum wieder raus waren, gingen die nächsten rein und wir blieben im Vorraum, wo auch eine Bühne war. Es standen vier kleine Tische mit vier kleinen Röhrenfernsehern, Videorekorder und Kopfhörer auf der Bühne. Wir sollten uns an einen solchen Tisch setzen und anschauen, was wir gespielt hatten, und uns das genau einprägen, denn das mussten wir 1:1 beim zweiten Mal wiedergeben in Wort, Kontinuität und Bewegung. Beim dritten Mal wurden die Rollen gewechselt und das vierte Mal war dann auch wieder eine 1:1 Kopie der vorher gespielten Szene.

Warten, Kaffee trinken, warten, in der Sonne sitzen, warten und rauchen

Oh, übrigens habe ich schon lange den Hörer wieder aufgelegt und erzähle aus meiner eigenen Erinnerung weiter, falls es jemand von euch komisch finden sollte, dass Sandra auf einmal nicht mehr in meiner Erzählung vorkommt.

Als wir mit allem durch waren, bat man uns, draussen im Flur zu warten, bis jeder einzeln aufgerufen wird. Es dauerte gefühlt eine Ewigkeit, bevor sie überhaupt anfingen, einen nach dem anderen in den Wintergarten reinzurufen. Ich nenne diesen Raum so, weil er in meiner Erinnerung komplett verglast war. Woran ich mich noch sehr gut erinnere, dass es ein wunderschöner Frühlingstag war und ich die ganze Zeit vor der FAS Eingangstüre mit den anderen Bewerbern gesessen hatte, Kaffee trank und Zigaretten rauchte.

Dann ging es endlich los. Schwups meldete sich auch Frau Nervosität. Auch, wenn ich Curly-Sue an die Wand gespielt hatte, ich war mir auf einmal sehr unsicher, was mein können betrifft. “Jemanden an die Wand spielen” bedeutet beim Film, wenn einer oder eine der beiden ProtagonistenINNEN stärker in seiner Darstellung war. Wie dem auch sei. Ich war mir auf einmal nicht mehr so sicher, ob der heutige Tage für die Aufnahme in die Schule gereicht hatte.

Curly-Sue war auf jeden Fall vor mir reingerufen worden. Als sie raus kam, grinste sie über beide Ohren. In diesem Augenblick dachte ich, also, wenn sie sich für dich entschieden haben, können sie sich immer noch gegen mich entscheiden. Oh man. Während ich so vor mich hin dachte, lief sie kreischend über den Flur auf mich zu “Sie haben mich genommen”. Sie flippte auf eine ganz unangenehme Weise aus, vor Freude.

Ich hingegen musste immer noch warten und mittlerweile hatte ich angefangen, Kette zu rauchen ohne es zu bemerken. Ich weiß gar nicht mehr, was mir alles durch den Kopf ging. Vor allem, was habe ich in der Zeit wohl alles gemacht, ausser in der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken, zu rauchen und…

… das Rätsel zu lösen.

Der Asiate hat sich letztes Jahr als Schauspieler bei mir beworben. Daher kenne ich ihn. BadaBÄNG! Krass. Abgefahren. Ich dreh durch. Wenn der das wüsste, mon dieu. Die Welt ist so klein… Man läuft sich im Leben irgendwie immer zweimal über den Weg.

Alexia, du bist die Nächste…

…und auch die letzte, die hier noch sitzt. Ach nee, dass Mädel mit der ich zusammen den Tag quasi verbracht hatte, wartete noch auf mich. Wie nett von ihr, denke ich im Nachhinein. Obwohl wir überhaupt nicht auf einer Wellenlänge waren und ich so gemeine Dinge über Sie dachte. Wie auch immer, so wurde endlich auch ich reingerufen. Da saßen wir nun zu viert an einem Tisch. Die drei Schulleiter und ich. Erst schauten wir uns schweigend an. Gefühlt eine Ewigkeit. Ich glaube, sie haben mich dann gefragt, wie ich meine Leistung bewerten würde. Und dann hat einer von Ihnen, der Asiate nämlich angefangen mir ihre Entscheidung kund zu tun.

“Alexia, wir finden, dass du sehr telegen bist.” Oh, wie schön. ‚Was ist das?‘, dachte ich. Aaah… ich war so nervös. Innerlich schrie ich: “Bitte, bitte nehmt mich. Bitte, bitte nehmt mich!” Er fuhr fort, „wir sehen Potenzial in dir. Du warst bei der FAS Feedback-Methode sehr stark.“ Ujuju… Das ging runter wie Öl. „Aber.“ Oh no. Aber, was? „Aber du musst an deiner Körperlichkeit arbeiten. Atmung und Stimme trainieren…“ Lange Pause… Noch längere Pause… Bei The Voice Of Germany würde jetzt die Werbeunterbrechung laufen.

Nein, das haben die dir auch gesagt? 

“Wir haben in dir einen Rohdiamanten entdeckt. Herzlich Willkommen in der Schauspielschule.” W-a-a-as das haben die zu dir auch gesagt? Am Ende unseres Telefonats fanden Sandra und ich nämlich, nach elf Jahren heraus, dass Sie das zu uns beiden und wahrscheinlich allen anderen auch, die in diesem Schuljahr 2005 aufgenommen wurden, gesagt haben. Ob sie Curly-Sue das auch gesagt haben? Wir werden es nie erfahren.

Am Ende Des Tages

Ist es unendlich schön an diese Zeit zurück zu denken, denn die Schauspielschule hat mich sehr geprägt und war etwas ganz besonderes. Unter anderem habe ich dort vier für mich sehr wichtige Menschen kennengelernt. Unsere Freundschaft ist etwas ganz besonderes. Denn wir haben uns auf eine Art kennengelernt, wie man im Leben nur den besten und ältesten Freunden im Leben begegnet. Ich werde euch in den kommenden Kolumnen auch erzählen, wieso das so ist. Ich habe mich in dieser Zeit intensivst mit mir beschäftigt. Mich in alle Richtungen ausprobieren und entfalten können. Sei es körperlich, stimmlich und emotional. Heute kann ich, wenn ich will einen Raum betreten and all eyes on me.

Haste mal ’n Job?

In den letzten Tagen fragte ich mich öfters „Was möchtest du jetzt mit deinem Leben anfangen?“ Ich befinde mich in dieser Siebenjahrsperiode, genau genommen befinde ich mich im sogenannten Kristallhimmel. Habe ich gerade gegoogelt.

Das heißt, ich muss nun selbstständig all das, was mir in meinem Leben schon widerfahren ist, verarbeiten oder vorantreiben. Dadurch kann sich mein eigenständiges Ich erst richtig entfalten. Ja, genau in dieser Phase befinde ich mich und wie geht das mit diesem entfalten? (veröffentlicht 2016 bei BadaBäng)

Haste mal ne Mark

„An ein Kind kommste schneller, als an ne Mark.“ Das musste ich mir in der Pubertät öfters vom Vater meines damaligen Freundes anhören. Damit wollten sie sicherlich ganz unkonventionell verhindern, dass wir irgendwelche Dummheiten machen.

Im übertragenen Sinne stellte ich mir also die Frage: An einen € komme ich schneller ran als an einen Schauspieljob. Is so, ne?

Ich hatte noch nie ein Problem, mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Schön ist es auch, wenn genau diese Menschen den Weg in den ‘Kreis des Vertrauens’ finden. Gut, nicht alle, aber viele tummeln sich darin, die meisten darum. Ich habe, manchmal zumindest, dass große Problem, diese Freunde und/oder Bekannte um etwas zu bitten. Kennt ihr das auch?

Ich meine, verflixt und zugenäht. Wo in Teufelsnamen ist das Problem einen Freund zu fragen, ob er, wie in meinem Fall, in seinem nächsten Film vielleicht die Möglichkeit hat, an mich zu denken. Was ja nicht mal direkt gefragt wäre. Direkt ist: Kannst du mich in das Projekt reinbringen? Kannst du mich für diese Rolle besetzten? Bitte!

Ich bekomme jetzt schon Schnappatmung, wenn ich daran denke, in den nächsten Wochen Klinken putzen zu müssen. Da war ich noch nie gut drin, zumindest nicht direkt. Ich habe mir immer etwas einfallen lassen, um es nett zu umschiffen, gerne besetzt zu werden und habe mich damit arrangiert, mir selbst zu sagen ‘Die Jungs und Mädels denken schon an dich, sie wissen ja, dass es dich gibt’. Und 23.652 (23.919 Stand. 04/02/2017) andere Schauspieler, die bei filmmakers registriert sind.

Erst kürzlich habe ich mich getraut, einen sehr guten Freund und einen Bekannten zu fragen, schriftlich, per Email. Der eine lebt in Deutschland, der andere in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Der eine: Produzent

Den Bekannten in Berlin danach zu fragen, ob er an mich denken könnte bei einem seiner nächsten Projekte, fiel mir leicht, mit Bauchschmerzen allerdings.

Ich erinnere mich ihn auf dem Ku’damm in Berlin angequatscht zu haben, wegen dieses Facebook wieder mal. Ich schaute zur richtigen Zeit aus dem Fenster und erkannte ihn an seinem Hund. Verrückt, oder? Wir hielten kurz Smalltalk und einige Tage später besuchte er mich in meinem Office, wo ich neben der Schauspielerei mein Geld verdiene, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir unterhielten uns lange über die Medienbranche und seinen Hund, der auch wieder dabei war. Er trägt einen Namen auf den alle Fashionistas abfahren würden. Manolo!

Carry Bradshaw hätte sich diesen sicherlich anstelle von ein Paar Schuhen mitgenommen, ist Manolo nämlich ein sehr eleganter, wunderschöner, stolzer, liebevoller Hund. Das schönste Accessoire das eine Frau an ihrer Seite, bei einem Spaziergang tragen kann.

Anfang der Woche schrieb ich mir eine to do Liste, wie so oft – ich liebe to do Listen, vor allem das Durchstreichen der darauf gekritzelten Posten – ganz oben steht auf dieser Liste der Punkt:

Bei XYZ mal nach ner Mark nem Job fragen.

Mein Bekannter der unter Punkt eins stand kam mir zu vor.

Ich hatte nach langer Zeit wieder mein Profilbild auf Facebook aktualisiert, was eigentlich nicht stimmt, denn so, wie auf dem Bild, sehe ich zur Zeit gar nicht aus, aktuell ist also anders. Wie dem auch sei, schrieb der Bekannte folgendes: „…blablabla, wie geht es dir? Darfst du spielen?“ Ha, hat er das jetzt wirklich gefragt? Danke Universum. Für einen kurzen Augenblick hinterfragte ich, warum möchte er das wohl wissen, möchte er mich anfragen? Nun gut, mir nichts dir nichts antwortete ich drauf los. Erst als ich beim letzten Absatz ankam, wurden die Finger schwer, der Bauch zog sich immer mehr zusammen, die Gedanken drehten sich im Kreis ‘soll ich, soll ich nicht?’

Ich tat es, denn erstens fragte er mich ja irgendwie danach und zweitens kam der Mut just in diesem Augenblick über mich, ich ignorierte meinen Bauch und schrieb dann so was, wie:

”Blablabla…, wenn du also einen Job für mich hast, wäre ich dir total dankbar und du würdest mich damit wahnsinnig glücklich machen…” „smile“-Emoticon

Ich brech im Strahl, umso öfter ich diesen Satz lese. Ich schickte meine Antwort ab, ging offline, weil ich es schrecklich finde, dann auf die Antwort zu warten. Am liebsten möchte ich mich im Nachhinein sofort dafür entschuldigen, gefragt zu haben.

Die Antwort war, er denkt an mich, wenn was Passendes reinkommt.

Der andere: Regisseur

Wir kennen uns schon eine Weile. Er ist mit den Jahren ein Freund geworden.

Er ist einer meiner Lieblingsmenschen und zählt zu den Regisseuren, mit denen ich äußerst gerne und immer wieder arbeiten könnte, weil er anders ist. Seine Herangehensweise, seine Erzählweise, sein Mut und vieles mehr, ganz großes Kino. Merkt man das ich ein Fan bin?

Ich meine ihm am selben Tag wie meinem Bekannten – ich muss nen Run gehabt haben – abends eine Email geschrieben zu haben. Eigentlich wollte ich noch warten bis die Serie, die er in jüngster Vergangenheit gedreht hatte, on Air gehen würde, damit ich auch einen triftigen und guten Grund habe, ihn zu fragen, ob er mich bei nächsten Mal mit einbringen kann. Der Sender kam mir zuvor und ich hatte das Gefühl, dass ich schnell handeln müsste, weil sich vielleicht eine Chance ergeben könnte. Was für ein innerlich Stress. Ich sag euch, nach diesen mini-wini Nachrichten hätte ich erstmal zwei Tage Urlaub nötig gehabt.

Es ist ganz nett, noch zu erwähnen, dass ich mehr als sieben Anläufe brauchte. Fing ich doch immer wieder von vorne an, hörte auf zu tippen, wenn ich merkte, dass das was ich da von mir gab, nicht ich war. Es war verkrampft, überhaupt nicht spritzig oder gar witzig zu lesen, sondern einfach nur verklemmt und unsicher, wie ich eigentlich gar nicht bin. Vor allem einem guten Freund gegenüber.

Ich habe an diesem Abend nichts mehr auf die Kette bekommen, wollte es dennoch unbedingt los werden. Die Zeit ist mein Feind. Raus war die Mail und mein Magen wieder aufs minimalste geschrumpft, nicht mehr an Ort und Stelle, meine Hände schweißgebadet. Ich ging in meiner Wohnung auf und ab.

Wollte ihm so gerne schreiben: Hey Mann, voll blöd, die Mail war gar nicht für dich bestimmt. Bist du so lieb und schickst sie mir zurück, dann kann ich sie an die richtige Person schicken. Sorry!

Seine Antwort, er wird’s versuchen möchte aber nichts versprechen.

Am Ende Des Tages

Warum mache ich mich eigentlich immer wieder so verrückt? Ich hab doch nichts zu verlieren, wenn ich nach einer Rolle für mich frage? Meine Herangehensweise muss ich noch mal überdenken und mein Auftreten hat sich seit ich diesen Text 2016 online gestellt habe sehr verändert. Ich bin stark, selbstsicher, positiv. Um es Abschließend mit Julius Cäsars Worten zu beschreiben, wie ich mittlerweile bei Castings auftrete: „Ich kam, sah und siegte.“

Der richtige Weg

Was bedeutet eigentlich der richtige Weg?

Der richtige Weg ist doch der, den man einschlägt, weil man davon überzeugt ist, dass dies für einen persönlich der richtige ist, oder etwa nicht? Ja, ich spreche vom Lebensweg. Egal, ob beruflich oder privat, man muss immer eine Entscheidung treffen, ob bewusst oder unbewusst. Die unbewussten sind mir persönlich meistens lieber, denn mit den Jahren tue ich mich immer schwerer, die eine, die richtige Entscheidung zu treffen, zumal ich diese auch nicht mehr nur alleine für mich treffen muss, aber das ist eine andere Geschichte.

Wühlen wir doch ein wenig in der Vergangenheit herum 

In der 11. Klasse hatte ich von heute auf morgen den Drang, raus aus allem zu wollen. Raus aus dem, was mich einengt, keinen Spaß macht, nicht das fördert, wonach mir eigentlich ist. Kreativ wollte ich sein, auf der Bühne stehen und spielen, vor der Kamera stehen und spielen, malen, zeichnen, fotografieren, Musik machen. Frei sein. Kreativität leben.

Noch weiter in die Vergangenheit

Das ich Schauspielerin werde, war früh klar, also mir. Denn mein erstes Erlebnis, auf der Bühne zu stehen, hatte ich im Alter von sieben Jahren. Es war die Geschichte des Aschenputtels, in lustig. Das ist alles, woran ich mich noch erinnere und eben daran, wie ich mit stolz geschwellter Brust auf der Bühne stand und mich vor dem Publikum verneigte. Dieses Gefühl war so unbeschreiblich, dass ich es am liebsten in einer Dauerschleife bei mir führen wollte. Meine Cousins und Cousinen mussten immer mit mir irgendwelche Aufführungen inszenieren, ob sie wollten oder nicht, war mir egal, Hauptsache wir führten etwas vor und bekamen am Ende Applaus für meine Kreativität.

Zurück in die fortgeschrittene Vergangenheit 

Meine Noten in der Schule gingen ab der 11. Klasse rapide in den Keller. Ich wollte raus. Aber wie? Meine Großeltern schickten mir bereits in der 9. Klasse Anmeldeformulare der The Lee Strasberg Theatre and Film Institute, per Post. Nun gab es ja 1999 dieses Internet, auch bei mir zuhause, und so konnte ich mir dieses Institut auch mal online anschauen. Viel war auf den damaligen Pages nicht zu finden, doch schnell hatte ich die Unterlagen ausgefüllt, meinen Eltern kurz davon erzählt, was meine Pläne sind und schwups befand sich der Brief auch schon im Briefkasten Richtung New York. Ich war bestens vorbereitet.

Meine Eltern sicherlich schon in der Gestaltung eines Plans, wie sie das Kind am Besten von diesem Weg, dieser womöglichen Schnapsidee, wieder losbekommen. “Mach doch erst einmal dein Abitur und dann kannst du deinen Weg immer noch gehen, der läuft dir ja nicht weg”, so mein Vater. Ich glaube, meine Eltern machten Purzelbäume, als mir eine Sache, die ich nicht einkalkuliert hatte, passierte. Mir lief meine erste große Liebe über den Weg.

Jut, bleibe ich eben hier, mache die Schule zu Ende und gehe dann hier in Deutschland auf eine Schauspielschule. Ich quälte mich durch die Oberstufe, drehte sogar eine Ehrenrunde, bis ich wirklich alles dran gesetzt hatte, meine Zulassung zum Abitur nicht zu bekommen. Bereut habe ich es bis heute nicht, falls ihr euch das fragen solltet.

Fachabitur. Check. Was nun?

Zur Schule konnte ich nicht mehr gehen. So saß ich also wieder vor dem Computer und recherchierte Schauspielschulen in Deutschland, liebäugelte aber immer noch mit New York, die Option bestand nämlich. Doch die große Liebe war noch aktuell und ich konnte mich nicht von ihr lösen. Durch Zufall stieß ich bei meiner Recherche auf ein RTL Praktikum für eine Auftragsproduktion. Mein Vater befand sich zu dem Zeitpunkt auf Bali, als ich ihm davon erzählte und nach seiner Meinung fragte. Mein Gott, die Telefonverbindung war damals unendlich schlecht, aber er meinte so was wie “Alexia, krrrischkrrrischkrrrisch zu Hause abhängst krrrischkrrrischkrrisch nicht weißt krrischkrrisch tun sollst bewirb krrischkrrisch, bitte!” Gesagt, getan. Und zwei Wochen später saß ich also in Köln für ganze vier Monate bei meiner ersten Fernsehproduktion und fand es einfach nur stark. Viereinhalb Monate hieß es… und bitte! Ich konnte in jedes Gewerk rein schnuppern, hielt mich meist allerdings bei den Aufnahmeleitern auf. Dispo kopieren, zusammen legen, tackern, kurz vor Drehschluss verteilte ich diese am Set, wenn ich sie nicht irgendwohin faxen musste. Die Tage waren lang, die Wochenenden meist kurz. Das Geld als damalige Praktikantin ein Traum.

Och n-e-e, muss ich mich schon wieder entscheiden

Nach diesem Praktikum stand ich also wieder da und musste eine Entscheidung treffen. Hm, ich mach erstmal Urlaub. Dann jobbte ich hier und da, bis eines Tages der Produzent der damaligen Produktion anrief und fragte, was ich denn machen würde und wie meine Pläne für die Zukunft aussähen. Was auch immer ich ihm gesagt habe, er bot mir eine Lehrstelle an als Kauffrau für audio-visuelle Medien. Hm? Eigentlich wollte ich doch Schauspielerin werden. Hm? Aber ich kann ja auch erstmal die Ausbildung machen, Kontakte knüpfen und wer weiß, vielleicht brauche ich die Schauspielschule gar nicht erst zu besuchen, steige einfach quer ein. Los gehts.

In diesen drei Jahren, die keine Herrenjahre waren, wie man sprichwörtlich im Deutschen sagt, habe ich viel gelernt. Über die Menschen aus der Medienbranche, die Medienbranche an sich, den zwischenmenschlichen Umgang, den Neid, das nicht Gönnen, Freud und Leid.

Sagen wir so, ich bekam einen sehr guten Überblick über alle Bereiche, auch vom täglichen Kerngeschäft, dem Lizenzverkauf von Kinderprogramm weltweit, Produktionen für Film und Fernsehen und ich durfte eine Zeit lang das “Management” dreier Schauspieler übernehmen.

In den drei Jahren war einiges an Angebot enthalten. Das Schönste war aber, dass ich durch die Möglichkeit einen ganz tollen Menschen kennen lernen durfte, meine Ausbilderin. Für mich eine der erfolgreichsten Frauen in der Branche, wenn ihr mich fragt. Für mich eine Frau, zu der ich aufblicke, weil sie schön ist, sehr intelligent, humorvoll, sprachbegabt, Bücher ließt in einer Geschwindigkeit wie ich Pasta esse, sehr emphatisch, Business Woman durch und durch, sehr erfolgreich, denn die Zahlen stimmen bei ihr am Ende immer und trotzdem ist sie das Mädchen von nebenan geblieben, eine mit der man, beziehungsweise ich, gerne Pferde stehle.

Ihr Assistentin gewesen zu sein, war eine der schönsten Aufgaben während meiner Ausbildung zur audio-visuellen Medienkauffrau. Sie beherrschte das Chaos machen – und ich das Chaos, so waren wir eine unschlagbar effektive Kombination. Tägliches Pflichtprogramm, wenn sie ins Büro kam, erst ein Kaffee mit Milch ohne Zucker, eine Ultra Zigarette und auf dem Zweiten “Reich und Schön” anschauen.

Heute ist sie Senior Vice President von Sony Pictures Television in München. Prof. Dr. K. G. Ich danke dir für eine so tolle Zeit, für all das, was du mir beigebracht hast und dass wir nach all den Jahren immer noch den Kontakt pflegen.

Schauspielschule, ja ich will, immer noch

Ich hatte die Geschichte mit dem Schauspiel nicht aus den Augen verloren, nicht dass ihr das nach all dem Palaber hier glaubt. Ich liebe es, mich in Kleinigkeiten zu verlieren.

Wie ging es also weiter. Ach ja, die große Liebe ging vorbei, meine Ausbildung auch, hatte ich diese, man mag es kaum glauben, erfolgreich abgeschlossen und zwei Monate nachdem ich von der IHK mein Zeugnis ausgehändigt bekam, wurde ich auf der Film Acting School Cologne aufgenommen. Das ging wirklich ZackZack. Das Lustige war, ich bewarb mich an der Schule, ging zum Vorsprechen, wurde genommen. Fertig. Diese Schule war von, ich weiß nicht mehr wie vielen, die, die an erster Stelle unter Köln stand, warum sollte ich also noch woanders vorsprechen, wenn mich die erste sofort aufgenommen hatte zu der ich gerne wollte?

Aufgenommen. Check.

Es war das gleiche Gefühl, wie das, was ich als Siebenjährige damals auf meiner ersten Bühnenvorführung hatte. Es fühlte sich einfach richtig an, das ist und war einfach mein Weg und endlich habe ich es geschafft, auf ihm nach kleinen Umwegen zu gehen.

Meine Eltern standen in meinem Leben und bei meinen Entscheidung immer voll hinter mir, auch wenn sie manchmal anderer Meinung waren und ich sie dann doch vom Gegenteil überzeugen konnte, sie haben mich immer einfach machen lassen. Ich hatte ja die Schule mit immerhin Fachabitur beendet und hinterher noch eine fundierte Ausbildung gemacht, auf die ich ja immer wieder zurückgreifen könnte, wenn das mit der Kunst nicht klappt, so meine Argumentation meinem Vater gegenüber, der sich schon als mein lebenslanger Geldgeber sah, der arme. Gott sei Dank bin ich aber nie ein Mädchen dieser Sorte gewesen und wollte immer alles alleine machen und schaffen und auch selbst verdienen.

Am Ende Des Tages

Lass dich niemals von deinem Weg abbringen, denn nur du kannst für dich allein entscheiden, was dich erfüllt und glücklich macht. Du wirst nur so gut sein, wie die Leidenschaft zum deinem Beruf.

Und plötzlich bist Du weg. Für immer.

“Es gibt Festivals, die brauchen Stars, um sich wichtig zu machen, und andere, die machen Stars.” (Zitat: Heinz Badewitz, Quelle: Süddeutsche)

Wir haben uns damals auf einem Bunte New Faces Award in Berlin kennengelernt und danach nie wieder den Kontakt verloren. Ein bis zwei Mal im Jahr haben wir es immer irgendwie geschafft, uns zu sehen, auszutauschen, über Filme und das Leben zu philosophieren. Diese Treffen waren besonders, denn immer, wenn unsere Wege sich wieder trennten, war meine Energiequelle voll aufgeladen.

Du warst für mich der mit dem Moleskine. Du warst der, dem ich Postkarten schrieb. Du warst ein Mensch, der von Anfang an an mich als Mensch und Schauspielerin geglaubt hat. Du warst einer, dem ich sagte: „Ich schaffe es, wirst sehen, und wenn ich das Gefühl habe in einer Sackgasse zu stehen, na dann komme ich auf dein Angebot mir zu helfen gerne zurück.“

Mit dir saß ich zuletzt im Café Jasmin in München und aß den hausgemachten Milchreis mit Zimtzucker, den ich dort immer esse, wenn ich zu Besuch da bin. Es muss vor ungefähr drei Jahren gewesen sein. Wir hatten immer gute Gespräche. Das, was du mir an dem Tag allerdings gesagt hast, werde ich nie wieder vergessen: “Alexia, ich glaube an dich. Du wirst deinen Weg schon gehen, davon bin ich überzeugt. Du hast eine starke Ausstrahlung. Eine gute Energie, bist kommunikativ, offen für das Leben und die Menschen, das geht an keinem spurlos vorbei. Deine Zeit wird kommen.”

Das, lieber Heinz, klingt mir in den Ohren, mit deinem fränkischen Dialekt.

Anfang März dachte ich an dich, da mir deine Visitenkarte beim Aufräumen in die Hände fiel. Ich schrieb deinen Namen auf meine to do Liste, war mir so, dass wir schon länger nicht mehr voneinander gehört hatten. Es war sicherlich mir geschuldet, denn ich war in den letzten anderthalb Jahren ganz besonders abgelenkt, hatte andere Dinge im Kopf als die Filmbranche. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich dir überhaupt meine neuen Koordinaten mitgeteilt hatte.

Umso trauriger bin ich jetzt, weil ich weiß, dass die Berlinale 2014, deine Veranstaltung im Berlinale Palast, der Abend war in Berlin, an dem wir uns für immer auf diesem Planeten zum letzten Mal gesehen haben.

Du warst ein so höflicher, herzlicher, fröhlicher, positiver, lieber Mensch. Du hörtest zu, du fragtest nach. Du bist deiner Frisur über die Jahre treu geblieben, so treu bliebst du auch den Menschen, für die du etwas übrig hattest. Du warst einfach du. Ein ganz besonderer Mensch, immer auf der Suche nach anderen besonderen Menschen.

2016 sollte für dich ein ganz besonderes Jahr werden, denn dein Lebenswerk, die Internationalen Hofer Filmtage, feiern 50jähriges Jubiläum. Leider wirst du das nicht mehr erleben, aber du kannst dir sicher sein, dass dein Team und die Menschen, die dich kannten, ein unvergessliches Event daraus machen werden, da bin ich mir sicher.

Du wirst bei allen von uns, die dir begegneten, einen ganz besonderen Platz im Herzen haben, denn das hast du mit Sicherheit verdient.

Lieber Heinz, ich hoffe, da wo du bist, bist du umzingelt von den alten Größen, die einst auf deinem Festival ihre ersten Filme präsentieren konnten und ihr schaut gemeinsam auf uns herab. Vielleicht gibt es dort, wo du jetzt bist, auch einen Saal mit einer Leinwand, wo du dem weiterhin nachgehen kannst, was du hier bei uns bereits am liebsten getan hast.

Eigentlich ist es eine schöne Vorstellung, sich vom Leben zu verabschieden, bei dem was man am liebsten getan hat. Für uns Hinterbliebene bist du nur viel zu früh gegangen.

Heinz Badewitz, du wirst mir fehlen und so weiter.

Ich umarme dich, deine Alexia

geschrieben am 18. März 2016

Time

“I’m late, I’m late for a very important date. No time to say „Hello, Goodbye”. I’m late, I’m late, I’m late.” The White Rabbit – Alice in Wonderland

So verließ ich die Schauspielschule vor einigen, vielen Jahren.

Always at anytime under pressure and on the run.

Ich habe mir Nächte um die Ohren geschlagen, vor allem als Facebook anfing in Deutschland populär zu werden und die Kontakte zu den Wichtigen der Filmindustrie so greifbar nah und einfach zu bekommen waren. Heute ist das mittlerweile wieder anders.

Ich hatte den ständigen Drang, zu machen, machen, machen. Besser gestern noch als heute. Der ständige Druck, sofort auf Emails und Nachrichten zu antworten, wuchs stetig. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, so mein Motto.

Ich war ein Smartphone Spätzünder, klingt komisch, ist aber so. Bei allen anderen technischen Must-haves war ich auf dem Vormarsch. Wenn ich zurück denke, wie ich mit meinem Laptop durch die Gegend getingelt bin, Hauptsache immer erreichbar, egal wie viele Kilo die Handtasche wog und wie selten dämlich das wohl ausgesehen haben muss. Wo man doch Smartphones durch die Gegend trug und keine Laptops mehr.

Die Zeit war mein Feind.

“Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?”

Ich bin nun 33 Jahre alt und das, was ich mir nach der Schauspielschule eigentlich vorgenommen hatte, habe ich noch nicht erreicht, auch nicht durch meine ständige Erreichbarkeit.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, zu kollabieren und habe mir bis vor einigen Wochen eine Auszeit genommen. Ich musste einfach zurück auf Los! Runterfahren und Neustarten. Es hat ein paar Jahre gedauert,  gebe ich zu. Fast drei, aber ich habe mich schon lange nicht mehr so positiv und voller Tatendrang gefühlt. Meine Zeit wird kommen, das weiß ich und dieses Jahr scheint für mich ein gutes dafür zu sein. Wir werden sehen.

Ob ich mir das überhaupt leisten konnte, bei der Nicht-Karriere, die ich bis dahin als Schauspielerin aufs Parkett gelegt hatte? Meine Antwort dazu ganz klar: JA, denn sonst weiß ich nicht, ob nicht irgendwann irgendwelche Sicherungen bei mir durchgebrannt wären.

Versteht mich bitte nicht falsch. Es ist toll, das Leben einer Schauspielerin zu leben, mit allen Höhen und Tiefen oder verallgemeinern wir doch, eines Künstlers. Morgens nicht zu wissen, was übermorgen oder gar vorgestern hätte passieren können. Wochenlang von Reis leben, weil die Kohle nicht reicht. Das ständige Herzrasen am Ende eines Monats, weil man nicht weiß, ob man genug Kohle zusammen bekommt, um die Miete zu zahlen.

Ich möchte diese Zeit wirklich nicht missen, denn ich habe aus ihr viel gelernt. Aber ich kann euch sagen, als ich mich entschied, eine Auszeit zu nehmen und einen anderen Weg einzuschlagen, um mir zu beweisen, dass ich auch anders erfolgreich sein kann und meinen ersten fetten Gehaltscheck in der Hand hielt, man war das geil! Jeden weiteren Monat zu wissen, dass die Kohle am Ende auf dem Konto ist, ein unbezahlbar gutes Gefühl. Endlich kann ich mir Dinge leisten, von denen ich vorher nur geträumt habe. Muss nicht jeden Cent  dreimal umdrehen, bevor ich ihn ausgebe. Am Ende des Monats war sogar noch so viel übrig, dass ich das ohne mit der Wimper zu zucken auf mein Sparbuch legen konnte.

Mit der Zeit merkte ich allerdings, dass mich das, was mir Sicherheit bot, nicht ausfüllt. Ich werde diese Sicherheit behalten, dennoch werde ich mich wieder etwas davon entfernen, um mehr Zeit zu haben, wieder dem zu folgen, wofür mein Herz eigentlich schlägt. Das Medium Film hat eine so starke Anziehungskraft auf mich, dass ich einfach nicht los lassen kann und auch nicht will.

Es ist und bleibt (m)eine Passion

Dieses Jahr ist das richtige um, nein, nicht dort anzuknüpfen wo ich aufgehört habe, sondern ganz von vorne anzufangen.

Ich gebe erst auf, wenn ich mein Ziel erreicht habe. So und nicht anders habe ich mein ganzes Leben geführt und werde es weiterhin so handhaben. Ich mag nicht gerne aufgeben vor allem dann nicht, wenn ich weiß, dass ich so oft schon ganz kurz davor war es zu schaffen.

Mein Herz brennt so sehr nach dem Spiel, der Wandelbarkeit, Texte auswendig lernen, einer Figur Leben einhauchen, ich muss einfach nur den richtigen Moment erwischen, um all das in die Tat umsetzen zu können.

Dieses Gefühl von zu Hause sein, wenn man ein Filmset betritt, ist für mich meine berufliche Erfüllung. Das kann sicherlich nur der verstehen, der selber beim Film arbeitet, egal, welchem Gewerk er oder sie zugeordnet ist.

Am Ende des Tages…

… sei so viel schon mal gesagt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist schön und gut. Die richtigen Leute kennen noch besser. Zu wissen, wie man das alles gewinnbringend zusammen führt, unbezahlbar. Ich bin selbst gespannt, wie ich das hinbekomme. Doch der Glaube an mich, an mein Können und ans Leben wird mich zu meinem Ziel führen, dessen bin ich mir ganz sicher.