Remember Liam’s Life

Vor sechs Monaten, Anfang September um genau zu sein, sah ich ein Bild auf Instagram, das mich nicht mehr los lassen sollte. Ich lag derweil auf der Couch unter einer dicken Wolldecke, mit einem kranken, in meinen Armen eingeschlafenen Mr. Sweetface. Ich war selber angeschlagen und am Ende meiner Kräfte, als ich folgende Zeilen unter diesem Bild las:

Saying good bye to my light, my love before he goes to save lives. This pain is unbearable. Liam, I love you. Hug your children, kiss them always. Don’t lose patience. Laugh with them often. Get off your phones and play games #rememberliam Nur anklicken, wenn ihr stark genug dafür seid.

Ich weinte und hielt Cosmo ganz stark in meinen Armen. So sehr berührte und ergriff es mich. Noch heute.

Ein Paar aus Hawthorne, Kalifornien, verlor ihren damals 15 Monate alten Sohn. Liam hieß er und wurde einen Tag nach Mr. Sweetface im Mai 2015 geboren. Ende Oktober konnte ich nicht anders, immer wieder stieß ich bei Instagram auf Bilder von Mishel’s oder MacKowal’s Instagram Account. Irgendwie fühlte ich mich schlecht immer nur die Bilder und Beiträge darunter anzuschauen ohne sie zu unterstützen. Der Drang, Mishel zu schreiben, um wenigstens irgendwas zu tun, eine Berechtigung zu haben tiefes Mitleid für die Beiden empfinden zu dürfen wurde immer größer, ich konnte einfach nichts dagegen machen. Also hörte ich auf gegen das Verlangen anzukämpfen und meinem Impuls nachzugehen, weil es mir sonst keine Ruhe gelassen hätte. Ich kann es euch selbst heute nicht sagen, was mich an dieser traurigen Geschichte so festhält.

Ich schrieb Mishel ohne eine Antwort zu erwarten, dass ich über Liam schreiben würde, wenn mein Blog online geht. Ich möchte das, wofür sie in Amerika heute kämpfen, unterstützen. Eine weltweite Regelung in Erinnerung an Liam und unendlich vielen anderen Kindern und Erwachsenen die wegen Trunkenheit am Steuer ihr Leben lassen mussten. Hiermit mache ich mein Versprechen nun wahr.

Ein trauriger Spaziergang

Der 15 Monate alte Liam war im Kinderwagen mit seiner gerade mal 15 Jahre alten Tante -wie sollte es für Kalifornien an einem Samstag auch anders sein – wundervollen sonnigen Tag unterwegs. Sie standen an einem Fußgängerüberweg und warteten nur noch darauf, dass die Ampel auf Grün umschaltet. Liam’s Dad ist Mixed Martial Arts Athlet (MMA) und hat ein Trainingscenter in Hawthorne. Liam und seine Tante waren -fußläufg nur vier Minuten – vom Studio entfernt auf dem Weg zu einem Mexikanischen Restaurant, wo Liam sein liebstes pineapple agua, fresca, burritos and tortas bekam. Dort sollten sie nie ankommen.

Mishel’s Schwester schob den Kinderwagen über die Straße, als plötzlich aus dem Nichts ein SUV den Kinderwagen trifft. Die Fahrerin versuchte zu fliehen. Zeugen stoppten sie, bis die Polizei vor Ort war. Marcus und Mishel hörten Sirenen, liefen aus dem Studio raus, sahen den Kinderwagen in zwei Hälften und den grünen Plüschfrosch von Liam, auf dem Asphalt liegen. Der Plüschfrosch begleitete Liam seit seiner Geburt. Ohne ihn ging Liam nie aus dem Haus. Ohne ihn wollte er auch nie einschlafen.

Liam versuchte, sich ins Leben zurück zu kämpfen, die Ärzte schafften es, ihn wiederzuholen, doch am Tag darauf wurde er für hirntot erklärt. Seine Tante wurde bei diesem furchtbaren Unfall schwer verletzt. Nicht nur, dass sie schwere Verletzungen davon getragen hat, sie muss nun ein Leben lang mit diesem furchtbaren Ereignis leben und ich wünsche ihr von Herzen, dass dieses junge Mädchen so stark ist und daran nicht zerbricht.

Die Dame, die im Alter von 72 Jahren den Wagen fuhr und ihr Leben quasi schon gelebt hat, war betrunken, als sie den Unfall verursachte. Sie hatte sich in dem Zustand ins Auto gesetzt und war  sicherlich nicht mit der Intention losgefahren, jemanden auf der Straße zu verletzen, aber allein alkoholisiert hinterm Steuer zu sitzen… Unverantwortlich!

Die Nachricht das Liam für Hirntot erklärt wurde verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Mishel und Marcus gaben Liam’s Organe frei um anderen Kindern helfen zu können. In ihrer Trauer um Ihren Sohn wurden sie mit flehenden Nachrichten von Eltern überrannt, die so dringend einen Organspender suchten. Seither machen sie sich stark für das Thema Organspende und kämpfen für DON’T DRINK AND DRIVE!

Auch jetzt, wo ich diesen Post schreibe, sind meine Augen mit Tränen gefüllt, weil ich nicht fassen kann, dass dieser kleine Junge einfach nicht bei seinen Eltern bleiben durfte. Stellt euch mal vor, ihr könntet von jetzt auf gleich eure kleinen Krümelmonster nicht mehr in den Arm nehmen, knuddeln und abknutschen. Lasst eure Smartphones doch wirklich einfach mal für ein paar Stunden am Tag liegen und fokussiert eure Aufmerksamkeit komplett auf die kleinen Wesen. Das Leben ist endlich, dass dürfen wir einfach nicht vergessen. Soll heißen, lebt euer Leben. Seid so oft draußen in der Natur, wie nur möglich. Versprüht Liebe, seit im Moment, arbeitet vielleicht weniger und konzentriert euch dafür auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben eure Kinder, Familien, Freunde, Tiere, Hobbys… Das was euch eben glücklich macht und erfüllt.

In den Straßen von Berlin

Seither überquere ich keine Straße mehr mit meinem Kind im Buggy, ohne an diese furchtbare Tragödie denken zu müssen. Selbst, wenn die Ampel auf grün umspringt schaue ich noch mal nach rechts und links um wirklich sicher zu sein das alle Autos stehen. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, wo auch Alkohol konsumiert wird, denke ich, wer von den Anwesenden wohl auch nach einem Glas noch ins Auto steigen wird.

Jetzt ICH. Im Dezember habe ich mich dabei erwischt, wie ich nach einem Weihnachtsessen mit meinen Freundinnen, wo auch Alkohol ausgeschenkt wurde mit dem Auto nach Hause gefahren bin. Ich hatte bestimmt zwei oder drei Gläser Wein getrunken. Die ganze Fahrt über (15 Minuten) hatte ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und musste an Liam und an meinen Sohn denken. Das war sicherlich der letzte Abend in meinem Leben, den ich nach dem Verzehr von Alkohol mit dem Auto gefahren bin.

Ich bin der Meinung es sollte eine weltweite Regelung der 0,0 % Promille-Grenze geben. Bei der Nulllösung würden wir doch alle wissen woran wir sind, oder nicht? Null Komma null versteht doch wirklich jeder. Wer Alkohol getrunken hat, fährt einfach nicht mehr Auto. Ganz einfach. Wusstet ihr das dieses Gesetz in der DDR galt? Ich nicht, bis ich mich die Tage mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. “Jede andere Regelung verführt zu Selbstbetrug. Der ist lebensgefährlich – nicht nur für den Betrüger.” (Stefan Jacobs)

Ich meine 0,5% was bedeutet das? Es kommt doch darauf an, wie du gebaut bist, was du vorher gegessen oder nicht gegessen hast und wie schnell dein Körper den Alkohol wieder abbaut. DON’T DRINK AND DRIVE! Was jeder Einzelne daraus macht, ist natürlich seine Sache, aber vielleicht würden dann wirklich noch mehr Menschen einfach Taxi fahren, Bus und Bahn nehmen, sich abholen lassen, zu Fuss gehen. Was sind schon ein paar Euro gegenüber einem oder mehrerer Menschenleben?

Am Ende des Tages…

… bin ich, seit ich Mutter bin, immer mal wieder in Begleitung von Sorgen und Ängsten. Ihr kennt das auch, gell? Die kommen und gehen zwar, aber sie kommen eben auch immer wieder. Was, wenn Mr. Sweetface etwas passiert? Was, wenn ich nicht da sein kann um es aufzuhalten? Was, wenn es genau vor meinen Augen passiert? “Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.” Verdammt, ich glaube auch an diesem Sprichwort ist was dran.

Tja, das sind dann wohl Gedanken, die man mit Eintritt in den Eltern-Club, bei der Geburt des eigenen Kindes, unbemerkt in die Hände gedrückt bekommt. Keiner, wirklich keiner, hat mir vorher erzählt, was auf der Gefühlsebene mit mir passiert, wenn ich Mutter werde. Oder haben euch eure Verwandten und Freunde darüber aufgeklärt? Meine nicht und ich wäre auch im Leben nicht auf den Gedanken gekommen, während meiner Schwangerschaft, mal nach zu fragen.

Seid einfach achtsam. Nehmt euch so viel Zeit, wie nur irgend möglich für eure Kinder. Haltet die Augen offen und ganz wichtig DON’T DRINK AND DRIVE!

We will always remember you Liam <3

Worte von Marcus Kowal über die schwersten sechs Monate in seinem Leben.

Leider passiert so etwas jeden Tag, was wir gar nicht mitbekommen. Das ist nur eine von vielen traurigen Geschichten.

2 thoughts on “Remember Liam’s Life

  1. Eine unglaublich traurige Geschichte. Ich habe Gänsehaut und mir ist speiübel. Wenn man Mutter wird, dann schlägt das Herz eben außerhalb des eigenen Körpers.

    Dennoch danke ich dir, dass du Liam’s Geschichte mit uns geteilt hast. Sicher darf die Angst um unsere Kinder nicht den Alltag mit ihnen überschatten, doch das Bewusstsein, welche Verantwortung wir tragen und wie kostbar jeder einzelne Moment mit unseren Liebsten ist, das sollte man wirklich immer wieder schärfen!

    1. Danke dir sehr für deinen Kommentar, liebe Bella. Das bedeutet mir viel und du hast vollkommen Recht, es sollte unseren Alltag nicht überschatten, das wäre ja sonst furchtbar und unerträglich. Ich bin ganz bei dir und dem was du schreibst. #chooselove #choosehappiness #chooselife <3

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *