Riemann & Wolff – Entdecke die Möglichkeiten

Jeden Tag laufe ich mindestens zweimal über den Walter-Benjamin-Platz. Morgens, wenn ich Mr. Sweetface zu seiner Tagesmutter bringe und mittags, wenn ich Monsieur wieder abhole.

Mindestens dreimal die Woche zwischen acht und neun Uhr morgens, wenn in Berlin die Geschäfte noch geschlossen sind, flaniere ich über den Kurfürstendamm an Schaufenstern vorbei, die mich teils ansprechen, teils aber auch wirklich abschrecken. Was ja auch normal ist. Geschmäcker sind verschieden und das sollen sie auch bleiben.

Walter-Benjamin-Platz

Deswegen bleibe ich nun schon seit einiger Zeit vor dem Schaufenster von Riemann & Wolff stehen, weil das, was dort hängt, eine wahnsinnige Anziehung auf mich hat. Wahrscheinlich, weil es mich an Carrie Bradshaw erinnert, die ich sehr cool fand. Immer noch finde, by the way, weil sie zeitlos ist.

Rock ONE & Pullover esmeralda

Und wisst Ihr, warum dieser Laden am Walter-Benjamin-Platz meine Aufmerksamkeit auch bekam? Wegen dieser Dame hier. Sie heißt übrigens Marianne.

Marianne schafft es immer wieder, mich zu erschrecken und das ich mich beobachtet fühle. Sie schaut während des Vorbeigehens am Laden noch viel realer aus, ehrlich. Vor allem aus dem Augenwinkel. Sie steht auch nicht konstant an ein und der selben Stelle. Das ist ja das erschreckende.

Einer meiner ehemaligen Boyfriends unterstellte mir: „Du bist immer nur von den Läden angezogen, die hell und sortiert sind und wenig auf der Stange haben!“ Er hatte damals recht. Es ist heute wirklich nicht viel anders. Mich stressen vollgepackte Läden ganz oft, weil man das Schöne gar nicht mehr wahrnehmen, sondern nur noch am wühlen und suchen ist. Klare, offene Linien liebt das Auge, also meins. Ansonsten wird online geshoppt, als ob es kein Morgen gäbe.

Riemann & Wolff

Bei dem Namen könnte man auch glatt von einer Anwaltskanzlei, einer Kunst-Galerie oder gar einem Catering-Service ausgehen, oder?

Vom Holländischen Viertel in Potsdam zog es die Eigentümerin, die sich dann mit einer Freundin zusammen tat, im Juni 2015 nach Berlin- Charlottenburg. Die eine von ihnen ist Doktor der Biologie und ihr sehr sympathischer Tick für diese Schuhe hier,

von denen Sie ca. 50-60 Paar bei sich zu Hause auf den Treppenstufen stehen hat. „Es ist morgens immer so herrlich, da runter zu watscheln und zu denken, welche ich denn heute wieder anziehe?“ erzählt Sie mir.

Frau Doktor hat 20 Jahre als Wissenschaftlerin an der Uni gearbeitet, bevor sie zum ersten Mal die Türen ihres Geschäfts in Potsdam öffnete. Die Frauen, die zu ihr in den Laden kommen, sind nicht unbedingt die Zielgruppe für Dr. Martens, aber sie tragen gerne ausgefallene, extravagante Schnitte und vor allem sind die Kundinnen von Frau Doktor keine, die überwiegend in Mainstream gekleidet durch ihr Leben tanzen möchten, eher gar nicht.

Dr. Martens, wie habe ich sie geliebt in den 90ern. Dabei waren die, die ich trug, eher unspektakulär, einfach nur schwarz ohne Schnickschnack und ich bin mir nicht mal sicher, ob es Originale waren. Ich glaube ich muss mir auf jeden Fall ein Paar zu legen, mit Blümchen oder gar mit Nieten vielleicht? Anyway… Was ich auf jeden Fall definitiv weiß – wo ich sie kaufen werde. 🙂

Mein geschätzter Freund und Fotograf Urban und ich spazierten rein in den Laden und schwups fand ich mich schon in der Umkleide wieder.

Um noch mal auf Carrie Bradshaw zurück zu kommen: Das, was die Figur Carrie so cool machte, wollte ich damals Ende der 90er auch. Designer Kleider und Designer Schuhe tragen, Kolumnen schreiben, in einer Großstadt leben, die große Liebe finden… In Cafés, Bars, Restaurants sitzen, mich in Abenteuer stürzen und einfach nur mein Leben und die Menschen um mich herum erleben. Eigentlich fast genau mein Leben heute. Coole Melone 8)

Rock ONE & Pullover esmeralda & Schuhe Dr. Martens

Natürlich wurde dieser Look nicht mit Schuhen von Manolo Blahnik, sondern mit einem Paar Dr. Martens, die im Laden stehen, kombiniert. Wie das am Ende in der Kombination ausschaut, zeige ich euch natürlich auch noch, in einer Totalen.

An dem Tag als, Urban und ich die Bilder gemacht haben, war es wahnsinnig windig und auch ein bisschen, sehr kalt, um dieses Outfit zu shooten. Da bin ich dann aber auch nicht zimperlich.

Der Pullover von esmeralda hat sich beim Tragen großartig und überhaupt nicht schwerfällig angefühlt und als Frau Doktor mir erzählte, dass dieser Pullover handgefertigt und zudem noch von einer Strickmanufaktur aus Berlin sei, war ich doppelt und dreifach in dieses Naturtextil verliebt. Was ich dann noch auf der Seite von esmeralda lesen konnte – dass selbst Design und Vertrieb ausschließlich in Berlin statt finden.

Am Ende des Tages…

… spielt es eigentlich keine Rolle in welchen Läden man etwas einkauft. Die Hauptsache ist doch, dort sind Klamotten ausgestellt die einem gefallen und die zu einem passen. Ich gebe nichts drum den Dingen nachzulaufen die gerade angesagt sind. Was das angeht war ich immer schon sehr selbstbewusst. Ich setze meine eigenen Trends. Ich möchte mich in meinen Anziehsachen nicht verstecken, ich möchte das andere mich darin wahrnehmen, sich davon inspirieren lassen, selbst wenn es mal nur der Olle Freizeit-Casual-Look ist den ich trage, ich ziehe meine Outfits nicht einfach so an, es ist immer eine Idee dahinter 😉

In diesem Sinne, macht (es) euch schön und genießt das Leben.

Rock ONE & Pullover esmeralda & Schuhe Dr. Martens

Erste Berlinale, Beste Berlinale Teil 2

Tag fünf meiner, für mich sehr erfolgreichen ersten Berlinale. Ich frage mich noch heute, wo diese Energie herkam. Denn vom ersten Tag bis wirklich zum offiziellen Ende der Berlinale, war ich jeden Tag und jede Nacht unterwegs. Die Quittung kam natürlich, wie sollte es auch anders sein, nachträglich. Aber das war mir dann egal, Karl.

Wie bereits erwähnt, Tag fünf. Wir befinden uns im Berliner Westen nahe des KaDeWe’s am Kurfürstendamm im Hotel Ellington, wo das erste Agenturtreffen meines damaligen Agenten statt fand. Es war keine geschlossene Veranstaltung und so kam es auch das alle, okay gut bleiben wir auf dem Boden viele, also die, die davon wussten vorbei kamen. Buschfunk eben. Um so schöner für meinen Agenten, denn die Bude war voll. Ja, auch voll mit Menschen.

Die “Mensch, ick kenn dir doch, aus Facebook” Situation

Sorum

“Du bist doch Alexia von Wismar, richtig?” Äh, ja. Wer will das wissen? Ich war so perplex, dass ich der Person die mich ansprach gar nicht weiter zuhörte als sie anfing los zu plappern. Ich fühlte mich gestört, dachte so vor mich hin, wieso spricht sie mich an und erzählt mir das sie mich von zahlreichen Kommentaren kennt die ich hier und da auf Facebook hinterlassen hatte. Ich dachte “geh mir doch bitte aus der Sonne, oder lass mich mal bitte, oder lass mich kurz über das nachdenken was du in den letzten 30 Sekunden alles erzählt hast. Dann komm wieder, sicherlich bin ich später im Stande dir zu Antworten, oder vielleicht auch eine Konversation zu führen, vielleicht aber auch auf die Damentoilette verschwunden.”

Sie blieb. Meine Gedankenübertragung hatte nicht funktioniert und ich war der Situation maßlos ausgeliefert.  Dann der erlösende Satz “Ach Mensch, du war nett mit dir zu plaudern, ich muss da mal eben zu nem Bekannten rüber, der hat schon gewunken” welcher aus meinem Mund sprudelte. Zack und schnell auf die Damentoilette.

Am Morgen danach, ging es mir schlecht. Nein es war nicht der Kater. Ich bekam einfach diese Situation mit Astrid – so stellte sie sich mir vor – nicht aus dem Kopf. Mein schlechtes Gewissen plagte mich und ich stellte mir die Frage “Warum war ich bloß so ekelig zu ihr? Was war los mit mir?” Da saß in meiner Wohnung, morgens um dreizehn Uhr und schämte mich. Wie konnte ich das bloß wieder gut machen? Damn it.

Andersrum

Ich lebte in Kreuzberg61, dem Kiez, wo in der Zeit alle Künstler und die was von sich hielten flanierten. Von wegen mittendrin statt nur dabei, wa? Mittendrin in der Gentrifizierung. Wie dem auch sei, ich war mit einer Freundin unterwegs, die zu besuch in der Stadt war.

“Höä, Schnitte ich kenn die da vorne!”

“Welche?”

“Na die Dame, mit den Fuchsbraunen Haaren!”

“Nee, kenn ich nicht. “

“Aber ich!”

Was dann passierte, lest selbst:

“Berlin, U-Bahn Französische Straße / Südstern. Stehe zwischen 2 Terminen fröhlich rum. „Sie sind doch Frau Wedekind“, spricht mich eine sympathische Frau an. „Ja, bin ich.“ „Sage nur Facebook.“ Es ist die Schauspielerin Alexia von Wismar, mit der ich hier „befreundet“ bin, weil ich mich einfach zuundzugern mit begabten jungen Leute connecte. Ich liebe solche Begegnungen. Die erste dieser Art in der U-Bahn. Klasse.” (Quelle: Facebook Chronik von Beate Wedekind)

This Facebook made my day

Beate Wedekind gab mir einfach ein tolles Gefühl, weil Sie offen war, spontan auf mich einging. Nach all den Jahren noch mal Danke an Dich Beate, für dieses tolle, positive und kraftvolle Gefühl das du mir an diesem Tag mit auf den Weg gabst.

Man sagt mir nach, ich würde mit offenen Augen durch die Welt gehen, weil ich immer irgendwelche Leute sehe, Situationen erkenne und dann einfach beim Schopfe packe.

Am Tag darauf stand ich auf der Gästeliste zum “99 fire film award“, wo in dem Jahr, wie sollte es auch anders sein, Beate Wedekind eine der Jurorinnen war. Wir haben sehr gelacht, als wir uns dort schon wieder über den Weg liefen. Daraufhin lud Sie mich ein die Tage im Lux11 vorbei zu schauen.

Was ich zu Sorum noch ergänzen möchte

Im selben Jahr arbeiteten Astrid und ich zusammen in Hamburg und es entwickelte sich eine gute, schöne Bekanntschaft. Man sieht sich immer zweimal im Leben und ich konnte es wieder gut machen.

Astrid, ich mag dich, weil du straight bist, klug, schön, herzlich, immer einen guten Spruch auf der Zunge hast und einfach eine kreative, liebenswürdige Macherin bist. Ich entschuldige mich immer wieder, auch jetzt, wo ich hier an meinem Schreibtisch sitze und die Geschichte wieder Revue passieren lasse. Ich war damals einfach mit der Gesamtsituation überfordert, die vielen Leute, alles im Blick haben, keinen verpassen, den man noch sprechen wollte… Du hast mir immer beteuert, dass du das gar nicht so empfunden hast. Hoffentlich.

geschrieben am 14. Februar 2016 für BadaBÄNG

Erste Berlinale, beste Berlinale Teil 1

Der Erfolg dieser Berlinale zieht sich durch wie ein roter Teppich, auf dem ich, wegen Schneegestöbers in München, spontan landete. Wie es dazu kam? Die Begleitung, meiner nennen wir sie in dieser Kolumne Komplizin, schaffte es am Eröffnungsabend nicht mehr mit dem Flugzeug nach Berlin. So kam es das zwei Telefonate später, Herr Dieter Kosslick uns herzlich zur Eröffnung der 59. Berlinale Willkommen hieß.

*katsching*

So klingelt es noch heute in meinen Ohren, wie eine Las Vegas Slot Machine, wenn ich an meine erste Berlinale zurück denke. Das erste Mal Berlinale Film Festival und ich bin mittendrin statt nur dabei. Klingt nicht nur gut, war es sogar auch. Mein Gott, da habe ich wirklich alles mitgenommen, was mir über den Weg lief. Da wurde mir so richtig bewusst, wie viele Kontakte ich tatsächlich in den letzten (damals) 8 Jahren akquiriert hatte. Ganz verrückt wurde es, als mich Wildfremde ansprachen, weil sie mich von Facebook her kannten.

Warm up

Der Rhythmus für die nächsten Tage war klar vorgegeben. Der Eröffnungsabend für mich bereits ein voller Erfolg. Am zweiten Tag der Berlinale empfing ich am Nachmittag meine SchauspielFreundinnen, die sich gemeinsam mit der Komplizin in meiner Wohnung breit machten. Wir hübschten uns auf. Immer dabei, dass Gläschen Prosecco. Könnte ja sein, dass wir später auf dem Trockenen liegen. Ein paar Stündchen später ging es Richtung irgendeiner Nahrungsaufnahmestelle, um eine solide Grundlage zu schaffen für das, was vielleicht noch kommen mag, nämlich jede Menge guter Drinks, die es bei jedem Empfang, auf jeder Party umsonst und zuhauf gab, neben wirklich guten Amuse-gueule (Gaumenfreude; franz.), wie wir mit Begeisterung an unserm ersten gemeinsamen Abend feststellen durften. In den darauf folgenden Tagen strichen wir somit den Prosecco vom Späti und die Suche nach Nahrungsquellen von der to do Liste.

Einlassbändchen

Diese grünen, blauen, roten, bunten, wie auch immer Dinger hatten es in sich, in jeglicher Hinsicht.

Die Stimmung war oben auf, es war bitter kalt, wir waren gespannt, was sich ergeben würde. Da standen wir nun am Potsdamer Platz vor dem The Ritz Carlton. Movie Meets Media, let’s go. Kurzer check über das mobile Telefon und schon waren wir drin, in der Empfangshalle mit 100.000 anderen, aufgebrezelten, wildgewordenen Filmschaffenden und Skandalnudeln.

Der Abend war noch jung, die ein oder andere wildgewordene Ehefrau schon hinüber, armer Herr Prochnow. Wir ließen uns davon nicht beirren, checkten die Lage gründlich ab. Die Komplizin war bereits Stunden vor uns im The Ritz Carlton ihrem Promotionjob nachgegangen. Unsere Blicke trafen sich sofort als sie die mit rotem Teppich bestückte, Treppe hinunter gewedelt kam. Es war als würden wir schon Jahrelang solch präzise Coups durchführen. Sie gab ein unauffälliges Kopfverrenkungs- Kommando und in null Komma nix, fanden wir uns in der Gästetoilette der Lobby wieder. Vier Mädels, eine wirklich zu klein geratene Kabine, zwei grüne Bändchen für die All You Can Eat Abendveranstaltung, mit ein bisschen Musik und noch mehr Alkoholika.

Show time

20 Minuten und einige Schweißausbrüche und Magenschmerzen später waren die Bändchen vorsichtig, in mühevollster Kleinarbeit, akkurat von einem Arm zum nächsten gewandert. Das Adrenalin schoss durch Mark und Bein. Was, wenn jemand den Betrug bemerken würde? Mon dieu, welch Scham, all eyes on us, wenn die Sicherheitsmänner uns abführen würden.

Ach was, los gehts. 

Die Treppe nach oben schien ewig lang und ich hatte das Gefühl angestarrt zu werden, weil man mir genau ansah, was wir gerade dabei waren zu tun. Wir waren die Hochzeitscrasher an jenem und jeden weiteren Abend des Film Festivals, soviel stand fest.

Eine von uns mussten wir leider zurück lassen. Doch nur für eine klitzekleine Weile. Es waren aber sicherlich noch mal gute 20 lange Minuten die sie alleine auf der Damentoilette hockte, denn die gut klebenden Papierbändchen mussten sorgfältig und vor allem unauffällig wieder von den Handgelenken, es gab keinen besseren, unauffälligeren Ort als die Tanzfläche.  Plötzlich ging alles ratzi-fatzi und die Bauchtanztruppe war im OG wieder vereint, wo die Party statt fand. Glücklich über den reibungslosen Einlass gönnten wir uns den ersten Gin Tonic nach all der Aufregung.

Fazit

Einige Jahre später ist das schöne an diesen Veranstaltungen zur Berlinale, dass ich mittlerweile wirklich immer irgendwen kenne der mich einfach reinwinkt. Es haben sich Freundschaften und gute Bekanntschaften, bei meiner allerersten Berlinale entwickelt. Dafür meinen herzlichen Dank an all diejenigen die sich gerade angesprochen fühlen und erinnern.

You all made my very first Berlinale, in 2010

Und plötzlich bist Du weg. Für immer.

“Es gibt Festivals, die brauchen Stars, um sich wichtig zu machen, und andere, die machen Stars.” (Zitat: Heinz Badewitz, Quelle: Süddeutsche)

Wir haben uns damals auf einem Bunte New Faces Award in Berlin kennengelernt und danach nie wieder den Kontakt verloren. Ein bis zwei Mal im Jahr haben wir es immer irgendwie geschafft, uns zu sehen, auszutauschen, über Filme und das Leben zu philosophieren. Diese Treffen waren besonders, denn immer, wenn unsere Wege sich wieder trennten, war meine Energiequelle voll aufgeladen.

Du warst für mich der mit dem Moleskine. Du warst der, dem ich Postkarten schrieb. Du warst ein Mensch, der von Anfang an an mich als Mensch und Schauspielerin geglaubt hat. Du warst einer, dem ich sagte: „Ich schaffe es, wirst sehen, und wenn ich das Gefühl habe in einer Sackgasse zu stehen, na dann komme ich auf dein Angebot mir zu helfen gerne zurück.“

Mit dir saß ich zuletzt im Café Jasmin in München und aß den hausgemachten Milchreis mit Zimtzucker, den ich dort immer esse, wenn ich zu Besuch da bin. Es muss vor ungefähr drei Jahren gewesen sein. Wir hatten immer gute Gespräche. Das, was du mir an dem Tag allerdings gesagt hast, werde ich nie wieder vergessen: “Alexia, ich glaube an dich. Du wirst deinen Weg schon gehen, davon bin ich überzeugt. Du hast eine starke Ausstrahlung. Eine gute Energie, bist kommunikativ, offen für das Leben und die Menschen, das geht an keinem spurlos vorbei. Deine Zeit wird kommen.”

Das, lieber Heinz, klingt mir in den Ohren, mit deinem fränkischen Dialekt.

Anfang März dachte ich an dich, da mir deine Visitenkarte beim Aufräumen in die Hände fiel. Ich schrieb deinen Namen auf meine to do Liste, war mir so, dass wir schon länger nicht mehr voneinander gehört hatten. Es war sicherlich mir geschuldet, denn ich war in den letzten anderthalb Jahren ganz besonders abgelenkt, hatte andere Dinge im Kopf als die Filmbranche. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich dir überhaupt meine neuen Koordinaten mitgeteilt hatte.

Umso trauriger bin ich jetzt, weil ich weiß, dass die Berlinale 2014, deine Veranstaltung im Berlinale Palast, der Abend war in Berlin, an dem wir uns für immer auf diesem Planeten zum letzten Mal gesehen haben.

Du warst ein so höflicher, herzlicher, fröhlicher, positiver, lieber Mensch. Du hörtest zu, du fragtest nach. Du bist deiner Frisur über die Jahre treu geblieben, so treu bliebst du auch den Menschen, für die du etwas übrig hattest. Du warst einfach du. Ein ganz besonderer Mensch, immer auf der Suche nach anderen besonderen Menschen.

2016 sollte für dich ein ganz besonderes Jahr werden, denn dein Lebenswerk, die Internationalen Hofer Filmtage, feiern 50jähriges Jubiläum. Leider wirst du das nicht mehr erleben, aber du kannst dir sicher sein, dass dein Team und die Menschen, die dich kannten, ein unvergessliches Event daraus machen werden, da bin ich mir sicher.

Du wirst bei allen von uns, die dir begegneten, einen ganz besonderen Platz im Herzen haben, denn das hast du mit Sicherheit verdient.

Lieber Heinz, ich hoffe, da wo du bist, bist du umzingelt von den alten Größen, die einst auf deinem Festival ihre ersten Filme präsentieren konnten und ihr schaut gemeinsam auf uns herab. Vielleicht gibt es dort, wo du jetzt bist, auch einen Saal mit einer Leinwand, wo du dem weiterhin nachgehen kannst, was du hier bei uns bereits am liebsten getan hast.

Eigentlich ist es eine schöne Vorstellung, sich vom Leben zu verabschieden, bei dem was man am liebsten getan hat. Für uns Hinterbliebene bist du nur viel zu früh gegangen.

Heinz Badewitz, du wirst mir fehlen und so weiter.

Ich umarme dich, deine Alexia

geschrieben am 18. März 2016