Erste Berlinale, Beste Berlinale Teil 2

Tag fünf meiner, für mich sehr erfolgreichen ersten Berlinale. Ich frage mich noch heute, wo diese Energie herkam. Denn vom ersten Tag bis wirklich zum offiziellen Ende der Berlinale, war ich jeden Tag und jede Nacht unterwegs. Die Quittung kam natürlich, wie sollte es auch anders sein, nachträglich. Aber das war mir dann egal, Karl.

Wie bereits erwähnt, Tag fünf. Wir befinden uns im Berliner Westen nahe des KaDeWe’s am Kurfürstendamm im Hotel Ellington, wo das erste Agenturtreffen meines damaligen Agenten statt fand. Es war keine geschlossene Veranstaltung und so kam es auch das alle, okay gut bleiben wir auf dem Boden viele, also die, die davon wussten vorbei kamen. Buschfunk eben. Um so schöner für meinen Agenten, denn die Bude war voll. Ja, auch voll mit Menschen.

Die “Mensch, ick kenn dir doch, aus Facebook” Situation

Sorum

“Du bist doch Alexia von Wismar, richtig?” Äh, ja. Wer will das wissen? Ich war so perplex, dass ich der Person die mich ansprach gar nicht weiter zuhörte als sie anfing los zu plappern. Ich fühlte mich gestört, dachte so vor mich hin, wieso spricht sie mich an und erzählt mir das sie mich von zahlreichen Kommentaren kennt die ich hier und da auf Facebook hinterlassen hatte. Ich dachte “geh mir doch bitte aus der Sonne, oder lass mich mal bitte, oder lass mich kurz über das nachdenken was du in den letzten 30 Sekunden alles erzählt hast. Dann komm wieder, sicherlich bin ich später im Stande dir zu Antworten, oder vielleicht auch eine Konversation zu führen, vielleicht aber auch auf die Damentoilette verschwunden.”

Sie blieb. Meine Gedankenübertragung hatte nicht funktioniert und ich war der Situation maßlos ausgeliefert.  Dann der erlösende Satz “Ach Mensch, du war nett mit dir zu plaudern, ich muss da mal eben zu nem Bekannten rüber, der hat schon gewunken” welcher aus meinem Mund sprudelte. Zack und schnell auf die Damentoilette.

Am Morgen danach, ging es mir schlecht. Nein es war nicht der Kater. Ich bekam einfach diese Situation mit Astrid – so stellte sie sich mir vor – nicht aus dem Kopf. Mein schlechtes Gewissen plagte mich und ich stellte mir die Frage “Warum war ich bloß so ekelig zu ihr? Was war los mit mir?” Da saß in meiner Wohnung, morgens um dreizehn Uhr und schämte mich. Wie konnte ich das bloß wieder gut machen? Damn it.

Andersrum

Ich lebte in Kreuzberg61, dem Kiez, wo in der Zeit alle Künstler und die was von sich hielten flanierten. Von wegen mittendrin statt nur dabei, wa? Mittendrin in der Gentrifizierung. Wie dem auch sei, ich war mit einer Freundin unterwegs, die zu besuch in der Stadt war.

“Höä, Schnitte ich kenn die da vorne!”

“Welche?”

“Na die Dame, mit den Fuchsbraunen Haaren!”

“Nee, kenn ich nicht. “

“Aber ich!”

Was dann passierte, lest selbst:

“Berlin, U-Bahn Französische Straße / Südstern. Stehe zwischen 2 Terminen fröhlich rum. „Sie sind doch Frau Wedekind“, spricht mich eine sympathische Frau an. „Ja, bin ich.“ „Sage nur Facebook.“ Es ist die Schauspielerin Alexia von Wismar, mit der ich hier „befreundet“ bin, weil ich mich einfach zuundzugern mit begabten jungen Leute connecte. Ich liebe solche Begegnungen. Die erste dieser Art in der U-Bahn. Klasse.” (Quelle: Facebook Chronik von Beate Wedekind)

This Facebook made my day

Beate Wedekind gab mir einfach ein tolles Gefühl, weil Sie offen war, spontan auf mich einging. Nach all den Jahren noch mal Danke an Dich Beate, für dieses tolle, positive und kraftvolle Gefühl das du mir an diesem Tag mit auf den Weg gabst.

Man sagt mir nach, ich würde mit offenen Augen durch die Welt gehen, weil ich immer irgendwelche Leute sehe, Situationen erkenne und dann einfach beim Schopfe packe.

Am Tag darauf stand ich auf der Gästeliste zum “99 fire film award“, wo in dem Jahr, wie sollte es auch anders sein, Beate Wedekind eine der Jurorinnen war. Wir haben sehr gelacht, als wir uns dort schon wieder über den Weg liefen. Daraufhin lud Sie mich ein die Tage im Lux11 vorbei zu schauen.

Was ich zu Sorum noch ergänzen möchte

Im selben Jahr arbeiteten Astrid und ich zusammen in Hamburg und es entwickelte sich eine gute, schöne Bekanntschaft. Man sieht sich immer zweimal im Leben und ich konnte es wieder gut machen.

Astrid, ich mag dich, weil du straight bist, klug, schön, herzlich, immer einen guten Spruch auf der Zunge hast und einfach eine kreative, liebenswürdige Macherin bist. Ich entschuldige mich immer wieder, auch jetzt, wo ich hier an meinem Schreibtisch sitze und die Geschichte wieder Revue passieren lasse. Ich war damals einfach mit der Gesamtsituation überfordert, die vielen Leute, alles im Blick haben, keinen verpassen, den man noch sprechen wollte… Du hast mir immer beteuert, dass du das gar nicht so empfunden hast. Hoffentlich.

geschrieben am 14. Februar 2016 für BadaBÄNG

Erste Berlinale, beste Berlinale Teil 1

Der Erfolg dieser Berlinale zieht sich durch wie ein roter Teppich, auf dem ich, wegen Schneegestöbers in München, spontan landete. Wie es dazu kam? Die Begleitung, meiner nennen wir sie in dieser Kolumne Komplizin, schaffte es am Eröffnungsabend nicht mehr mit dem Flugzeug nach Berlin. So kam es das zwei Telefonate später, Herr Dieter Kosslick uns herzlich zur Eröffnung der 59. Berlinale Willkommen hieß.

*katsching*

So klingelt es noch heute in meinen Ohren, wie eine Las Vegas Slot Machine, wenn ich an meine erste Berlinale zurück denke. Das erste Mal Berlinale Film Festival und ich bin mittendrin statt nur dabei. Klingt nicht nur gut, war es sogar auch. Mein Gott, da habe ich wirklich alles mitgenommen, was mir über den Weg lief. Da wurde mir so richtig bewusst, wie viele Kontakte ich tatsächlich in den letzten (damals) 8 Jahren akquiriert hatte. Ganz verrückt wurde es, als mich Wildfremde ansprachen, weil sie mich von Facebook her kannten.

Warm up

Der Rhythmus für die nächsten Tage war klar vorgegeben. Der Eröffnungsabend für mich bereits ein voller Erfolg. Am zweiten Tag der Berlinale empfing ich am Nachmittag meine SchauspielFreundinnen, die sich gemeinsam mit der Komplizin in meiner Wohnung breit machten. Wir hübschten uns auf. Immer dabei, dass Gläschen Prosecco. Könnte ja sein, dass wir später auf dem Trockenen liegen. Ein paar Stündchen später ging es Richtung irgendeiner Nahrungsaufnahmestelle, um eine solide Grundlage zu schaffen für das, was vielleicht noch kommen mag, nämlich jede Menge guter Drinks, die es bei jedem Empfang, auf jeder Party umsonst und zuhauf gab, neben wirklich guten Amuse-gueule (Gaumenfreude; franz.), wie wir mit Begeisterung an unserm ersten gemeinsamen Abend feststellen durften. In den darauf folgenden Tagen strichen wir somit den Prosecco vom Späti und die Suche nach Nahrungsquellen von der to do Liste.

Einlassbändchen

Diese grünen, blauen, roten, bunten, wie auch immer Dinger hatten es in sich, in jeglicher Hinsicht.

Die Stimmung war oben auf, es war bitter kalt, wir waren gespannt, was sich ergeben würde. Da standen wir nun am Potsdamer Platz vor dem The Ritz Carlton. Movie Meets Media, let’s go. Kurzer check über das mobile Telefon und schon waren wir drin, in der Empfangshalle mit 100.000 anderen, aufgebrezelten, wildgewordenen Filmschaffenden und Skandalnudeln.

Der Abend war noch jung, die ein oder andere wildgewordene Ehefrau schon hinüber, armer Herr Prochnow. Wir ließen uns davon nicht beirren, checkten die Lage gründlich ab. Die Komplizin war bereits Stunden vor uns im The Ritz Carlton ihrem Promotionjob nachgegangen. Unsere Blicke trafen sich sofort als sie die mit rotem Teppich bestückte, Treppe hinunter gewedelt kam. Es war als würden wir schon Jahrelang solch präzise Coups durchführen. Sie gab ein unauffälliges Kopfverrenkungs- Kommando und in null Komma nix, fanden wir uns in der Gästetoilette der Lobby wieder. Vier Mädels, eine wirklich zu klein geratene Kabine, zwei grüne Bändchen für die All You Can Eat Abendveranstaltung, mit ein bisschen Musik und noch mehr Alkoholika.

Show time

20 Minuten und einige Schweißausbrüche und Magenschmerzen später waren die Bändchen vorsichtig, in mühevollster Kleinarbeit, akkurat von einem Arm zum nächsten gewandert. Das Adrenalin schoss durch Mark und Bein. Was, wenn jemand den Betrug bemerken würde? Mon dieu, welch Scham, all eyes on us, wenn die Sicherheitsmänner uns abführen würden.

Ach was, los gehts. 

Die Treppe nach oben schien ewig lang und ich hatte das Gefühl angestarrt zu werden, weil man mir genau ansah, was wir gerade dabei waren zu tun. Wir waren die Hochzeitscrasher an jenem und jeden weiteren Abend des Film Festivals, soviel stand fest.

Eine von uns mussten wir leider zurück lassen. Doch nur für eine klitzekleine Weile. Es waren aber sicherlich noch mal gute 20 lange Minuten die sie alleine auf der Damentoilette hockte, denn die gut klebenden Papierbändchen mussten sorgfältig und vor allem unauffällig wieder von den Handgelenken, es gab keinen besseren, unauffälligeren Ort als die Tanzfläche.  Plötzlich ging alles ratzi-fatzi und die Bauchtanztruppe war im OG wieder vereint, wo die Party statt fand. Glücklich über den reibungslosen Einlass gönnten wir uns den ersten Gin Tonic nach all der Aufregung.

Fazit

Einige Jahre später ist das schöne an diesen Veranstaltungen zur Berlinale, dass ich mittlerweile wirklich immer irgendwen kenne der mich einfach reinwinkt. Es haben sich Freundschaften und gute Bekanntschaften, bei meiner allerersten Berlinale entwickelt. Dafür meinen herzlichen Dank an all diejenigen die sich gerade angesprochen fühlen und erinnern.

You all made my very first Berlinale, in 2010