Haste mal ’n Job?

In den letzten Tagen fragte ich mich öfters „Was möchtest du jetzt mit deinem Leben anfangen?“ Ich befinde mich in dieser Siebenjahrsperiode, genau genommen befinde ich mich im sogenannten Kristallhimmel. Habe ich gerade gegoogelt.

Das heißt, ich muss nun selbstständig all das, was mir in meinem Leben schon widerfahren ist, verarbeiten oder vorantreiben. Dadurch kann sich mein eigenständiges Ich erst richtig entfalten. Ja, genau in dieser Phase befinde ich mich und wie geht das mit diesem entfalten? (veröffentlicht 2016 bei BadaBäng)

Haste mal ne Mark

„An ein Kind kommste schneller, als an ne Mark.“ Das musste ich mir in der Pubertät öfters vom Vater meines damaligen Freundes anhören. Damit wollten sie sicherlich ganz unkonventionell verhindern, dass wir irgendwelche Dummheiten machen.

Im übertragenen Sinne stellte ich mir also die Frage: An einen € komme ich schneller ran als an einen Schauspieljob. Is so, ne?

Ich hatte noch nie ein Problem, mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Schön ist es auch, wenn genau diese Menschen den Weg in den ‘Kreis des Vertrauens’ finden. Gut, nicht alle, aber viele tummeln sich darin, die meisten darum. Ich habe, manchmal zumindest, dass große Problem, diese Freunde und/oder Bekannte um etwas zu bitten. Kennt ihr das auch?

Ich meine, verflixt und zugenäht. Wo in Teufelsnamen ist das Problem einen Freund zu fragen, ob er, wie in meinem Fall, in seinem nächsten Film vielleicht die Möglichkeit hat, an mich zu denken. Was ja nicht mal direkt gefragt wäre. Direkt ist: Kannst du mich in das Projekt reinbringen? Kannst du mich für diese Rolle besetzten? Bitte!

Ich bekomme jetzt schon Schnappatmung, wenn ich daran denke, in den nächsten Wochen Klinken putzen zu müssen. Da war ich noch nie gut drin, zumindest nicht direkt. Ich habe mir immer etwas einfallen lassen, um es nett zu umschiffen, gerne besetzt zu werden und habe mich damit arrangiert, mir selbst zu sagen ‘Die Jungs und Mädels denken schon an dich, sie wissen ja, dass es dich gibt’. Und 23.652 (23.919 Stand. 04/02/2017) andere Schauspieler, die bei filmmakers registriert sind.

Erst kürzlich habe ich mich getraut, einen sehr guten Freund und einen Bekannten zu fragen, schriftlich, per Email. Der eine lebt in Deutschland, der andere in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Der eine: Produzent

Den Bekannten in Berlin danach zu fragen, ob er an mich denken könnte bei einem seiner nächsten Projekte, fiel mir leicht, mit Bauchschmerzen allerdings.

Ich erinnere mich ihn auf dem Ku’damm in Berlin angequatscht zu haben, wegen dieses Facebook wieder mal. Ich schaute zur richtigen Zeit aus dem Fenster und erkannte ihn an seinem Hund. Verrückt, oder? Wir hielten kurz Smalltalk und einige Tage später besuchte er mich in meinem Office, wo ich neben der Schauspielerei mein Geld verdiene, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir unterhielten uns lange über die Medienbranche und seinen Hund, der auch wieder dabei war. Er trägt einen Namen auf den alle Fashionistas abfahren würden. Manolo!

Carry Bradshaw hätte sich diesen sicherlich anstelle von ein Paar Schuhen mitgenommen, ist Manolo nämlich ein sehr eleganter, wunderschöner, stolzer, liebevoller Hund. Das schönste Accessoire das eine Frau an ihrer Seite, bei einem Spaziergang tragen kann.

Anfang der Woche schrieb ich mir eine to do Liste, wie so oft – ich liebe to do Listen, vor allem das Durchstreichen der darauf gekritzelten Posten – ganz oben steht auf dieser Liste der Punkt:

Bei XYZ mal nach ner Mark nem Job fragen.

Mein Bekannter der unter Punkt eins stand kam mir zu vor.

Ich hatte nach langer Zeit wieder mein Profilbild auf Facebook aktualisiert, was eigentlich nicht stimmt, denn so, wie auf dem Bild, sehe ich zur Zeit gar nicht aus, aktuell ist also anders. Wie dem auch sei, schrieb der Bekannte folgendes: „…blablabla, wie geht es dir? Darfst du spielen?“ Ha, hat er das jetzt wirklich gefragt? Danke Universum. Für einen kurzen Augenblick hinterfragte ich, warum möchte er das wohl wissen, möchte er mich anfragen? Nun gut, mir nichts dir nichts antwortete ich drauf los. Erst als ich beim letzten Absatz ankam, wurden die Finger schwer, der Bauch zog sich immer mehr zusammen, die Gedanken drehten sich im Kreis ‘soll ich, soll ich nicht?’

Ich tat es, denn erstens fragte er mich ja irgendwie danach und zweitens kam der Mut just in diesem Augenblick über mich, ich ignorierte meinen Bauch und schrieb dann so was, wie:

”Blablabla…, wenn du also einen Job für mich hast, wäre ich dir total dankbar und du würdest mich damit wahnsinnig glücklich machen…” „smile“-Emoticon

Ich brech im Strahl, umso öfter ich diesen Satz lese. Ich schickte meine Antwort ab, ging offline, weil ich es schrecklich finde, dann auf die Antwort zu warten. Am liebsten möchte ich mich im Nachhinein sofort dafür entschuldigen, gefragt zu haben.

Die Antwort war, er denkt an mich, wenn was Passendes reinkommt.

Der andere: Regisseur

Wir kennen uns schon eine Weile. Er ist mit den Jahren ein Freund geworden.

Er ist einer meiner Lieblingsmenschen und zählt zu den Regisseuren, mit denen ich äußerst gerne und immer wieder arbeiten könnte, weil er anders ist. Seine Herangehensweise, seine Erzählweise, sein Mut und vieles mehr, ganz großes Kino. Merkt man das ich ein Fan bin?

Ich meine ihm am selben Tag wie meinem Bekannten – ich muss nen Run gehabt haben – abends eine Email geschrieben zu haben. Eigentlich wollte ich noch warten bis die Serie, die er in jüngster Vergangenheit gedreht hatte, on Air gehen würde, damit ich auch einen triftigen und guten Grund habe, ihn zu fragen, ob er mich bei nächsten Mal mit einbringen kann. Der Sender kam mir zuvor und ich hatte das Gefühl, dass ich schnell handeln müsste, weil sich vielleicht eine Chance ergeben könnte. Was für ein innerlich Stress. Ich sag euch, nach diesen mini-wini Nachrichten hätte ich erstmal zwei Tage Urlaub nötig gehabt.

Es ist ganz nett, noch zu erwähnen, dass ich mehr als sieben Anläufe brauchte. Fing ich doch immer wieder von vorne an, hörte auf zu tippen, wenn ich merkte, dass das was ich da von mir gab, nicht ich war. Es war verkrampft, überhaupt nicht spritzig oder gar witzig zu lesen, sondern einfach nur verklemmt und unsicher, wie ich eigentlich gar nicht bin. Vor allem einem guten Freund gegenüber.

Ich habe an diesem Abend nichts mehr auf die Kette bekommen, wollte es dennoch unbedingt los werden. Die Zeit ist mein Feind. Raus war die Mail und mein Magen wieder aufs minimalste geschrumpft, nicht mehr an Ort und Stelle, meine Hände schweißgebadet. Ich ging in meiner Wohnung auf und ab.

Wollte ihm so gerne schreiben: Hey Mann, voll blöd, die Mail war gar nicht für dich bestimmt. Bist du so lieb und schickst sie mir zurück, dann kann ich sie an die richtige Person schicken. Sorry!

Seine Antwort, er wird’s versuchen möchte aber nichts versprechen.

Am Ende Des Tages

Warum mache ich mich eigentlich immer wieder so verrückt? Ich hab doch nichts zu verlieren, wenn ich nach einer Rolle für mich frage? Meine Herangehensweise muss ich noch mal überdenken und mein Auftreten hat sich seit ich diesen Text 2016 online gestellt habe sehr verändert. Ich bin stark, selbstsicher, positiv. Um es Abschließend mit Julius Cäsars Worten zu beschreiben, wie ich mittlerweile bei Castings auftrete: „Ich kam, sah und siegte.“

So called Regisseure

Dumme Sau, du

“So eine dumme Sau. Was denkt der eigentlich, wer er ist dieser kleine Pimmel-Futzi? Dann löscht der mich aus seiner Facebook Freundesliste, glaubst du das? Damit hat er es mir jetzt voll gegeben. Bin ich hier im Kindergarten oder was?  Dieses DreimalUmDenKirschbaumGewickelteHühnerArschGewinde!…” Meine Whatsapp audio Nachricht an eine Freundin und Schauspielkollegin, als ich wieder mal feststellen musste, wie einige Regisseure drauf sind. Die Betonung liegt hier ganz klar auf einige.

Da letzten Dienstag #Weltfrauentag war, ist es mir in dieser Woche ein Bedürfnis, das Thema einmal anzusprechen. Die ein oder andere Kollegin wird sicherlich wissen wovon ich spreche. Diese unangenehme Situation, wenn du merkst, der Typ will mehr als nur mit dir arbeiten.

Ganz ehrlich, vor zwei Wochen habe ich das erste Mal wirklich laut gedacht: ‚Ich schmeiß hin. Ich mag nicht mehr. Warum gibt es nur so viele Behindies in dieser Filmbranche, was ist da bloß los bei so manchen z.B. Regisseuren?

Der wird ja wohl nicht über mich herfallen wollen…

… Regisseur. Mann mittleren Alters. Hauptaugenmerk Serien. Hier und da hat er auch Theaterstücke inszeniert. Ein netter, intelligenter, wortgewandter Mann, vielleicht sogar Gentleman.

Nach unserm ersten Treffen vor fünf Jahren merkte ich bereits, dass er sich da vielleicht mehr erhoffte. Ganz ehrlich, das kann doch nicht schon wieder der Fall sein? Ich sehe bestimmt Gespenster und interpretiere sein Verhalten falsch. Wir trafen uns noch ein paar Mal, war ich doch daran interessiert, einmal mit ihm zu arbeiten, was ja bekanntlich nicht heißt: Ich muss mit dir in die Kiste steigen, um vielleicht einmal mit dir zu arbeiten!

Es war teilweise wirklich anstrengend, ein Gespräch mit ihm zu führen, ohne ständig seinen schmachtenden Blicken ausweichen zu müssen und seinen Annäherungsversuchen freundlich zu entkommen. Dieses Zwiegespräch in mir, das konstant sagte: „Der will mehr, Alexia. Nein, glaub ich nicht, hier geht es nur ums Business.” Ich habe ihm nie gesagt, dass es mir unangenehm ist, wenn wir uns trafen, weil es mir im Umkehrschluss unangenehm gewesen wäre, wenn er gekontert hätte:  „Da hast du was total missverstanden”. Und schwups hätte ich wahrscheinlich nie mehr von ihm gehört.

Abturn

Anfang des Jahres stupste er mich über Facebook an. Es war der erste Kontakt nach einigen Jahren. Seine Nachricht, als ich zurück stupste, kam prompt: “Mensch, da bist du ja wieder, was ist denn los, ich höre gar nichts mehr von dir und auf meine vielen Nachrichten reagierst du auch nicht mehr?” Ganz ehrlich, ich freute mich von ihm zu hören und antwortete ihm. So stellte sich schnell raus, dass er eine alte Nummer von mir hatte. Zappzarapp schickte er mir nachträglich diese vielen Nachrichten über Facebook Messenger. Ich fing an zu lesen und fiel gleich vom Stuhl.

Eine viertel Stunde muss vergangen sein, ich lag noch am Boden, da bekam ich all diese Nachrichten noch mal in Form einer SMS. Wahrscheinlich, weil er keine direkte Reaktion von mir bekam und Angst hatte, dass wieder Funkstille herrschen würde, weil es ja sein könnte das der Messenger die Nachrichten nicht übermittelt hat.

Mein Kopf so…

…Oh no, bitte. Wie soll ich denn aus der Nummer elegant wieder rauskommen?

Mega abgeturnt und etwas überfordert, um ganz ehrlich zu sein, klappte ich mein Laptop zu.

Was stand denn da so drin?

In allen Nachrichten von Oktober bis Dezember 2015 stand etwas von: “Ich lad dich hier hin ein und dahin ein, falls du Lust hast auf Kaffee oder Abendessen – ich komme gerne zu dir und koche uns was. Melde dich einfach, wenn dir danach ist.” Zum Weihnachts- und Silvesteressen war ich auch eingeladen. Aktuell ist er im Ausland und er hätte sich gefreut, wenn ich ihn dort auch noch besucht hätte. Irgendwo beiläufig stand noch geschrieben “Du bist immer noch so schön, wie früher, wenn nicht noch schöner.”

Mein Kopf so…

Danke für das Kompliment, aber was soll das Ganze? Alarmglocken schrieen auf. So gut kennen wir uns jetzt auch nicht, dass ich ihn in meiner Küche etwas für uns kochen lassen würde. Nicht darauf antworten ist erstmal eine gute Lösung, wie ich fand.

Der letzte Akt

Einen Monat später, es war an einem Abend, an dem ich mich dazu im Stande fühlte, ein paar nette Sätze dazu zu schreiben und ihm klar zu machen, kein Interesse. Ich antwortete so etwas, wie ‘Da diese Nachrichten ja alle aus 2015 sind, sehe ich das ganze als verjährt an und muss da auch nichts mehr zu schreiben. “zwinker”- Emoticon. Wir können aber sehr gerne mal bei Zeiten einen Kaffee zusammen trinken gehen, wie es ihm gehen würde fragte ich ihn und wie es in diesem Ausland ist, wo er sich gerade rumtreibt.

Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. “Okay, alles Gute. Bis irgendwann mal.”

Und dann  geschah das, was mich aus allen Wolken fallen ließ, weil ich das von jeher total bescheuert finde, da es in meinen Augen an Kindergartenzeit erinnert. “Wenn du mir die Puppe nicht sofort gibst, kündige ich dir die Freundschaft!” For what ever reason, er löschte mich aus seiner Facebook Freundesliste.

Note to myself

Kündige mir ruhig die Freundschaft, da habe ich wirklich nichts mit am Hut. Zurückbekommen wirst du sie allerdings weder in der Virtuellen-Welt noch im realen Leben. Arbeiten möchte ich nach dieser ganzen Aktion und in diesem meinem Leben auch nicht mehr mit dir. Auch, wenn ich mir damit vielleicht die Chance nehme, einen Job durch ihn zu bekommen. Um welchem Preis, stellt sich da die Frage?

Am Ende Des Tages…

… kann ich euch nur raten, vertraut auf euer Gefühl. Wenn es euch sagt, dass hier etwas nicht koscher ist, nehmt euren ganzen Mut zusammen und sprecht es sofort an. Wartet nicht so lange, wie ich. Ich werde es in Zukunft genauso Handhaben. Wenn er ein cooler, intelligenter Typ ist, wird es das verstehen und trotzdem noch daran interessiert sein, mit euch zu arbeiten oder gar einfach nur einen Kaffee mit euch trinken zu gehen. Wenn es einmal ausgesprochen ist wird jedes weitere Treffen für euch ein leichtes sein, denn die Fronten sind geklärt.